Internetstörung bei .de-Domains: Was Unternehmen aus dem Ausfall lernen sollten
Posted by PM-Ersteller - 06/05/26 at 07:05:37 a.m.DNSSEC-Störung zeigt: Digitale Verfügbarkeit hängt nicht nur von Servern und Leitungen ab – sondern auch von sicherem Rollout und Rückfallkonzepten
Am Abend des 5. Mai 2026 waren zahlreiche Webseiten mit der Endung .de zeitweise nicht erreichbar. Betroffen waren sehr unterschiedliche Anbieter: Handel, Banken, Bahn, Portale, Hostinganbieter und weitere digitale Dienste. Viele Nutzerinnen und Nutzer sahen zunächst nur das Ergebnis: Webseiten ließen sich nicht aufrufen. Die Ursache lag nach den vorliegenden Meldungen jedoch nicht bei den einzelnen Webseiten selbst, sondern im Bereich DNSSEC bei der .de-Zone.
Um was ging es?
DNS ist vereinfacht gesagt das Verkehrsleitsystem des Internets. Es sorgt dafür, dass ein eingegebener Domainname zur richtigen technischen Adresse führt. DNSSEC ergänzt diese Namensauflösung um eine Sicherheitsprüfung. Damit soll sichergestellt werden, dass die Antwort auf eine Domainabfrage echt und unverändert ist. Scheitert diese Prüfung, wird die Antwort verworfen. Das ist aus Sicherheitssicht richtig. Aus Sicht der Verfügbarkeit kann es aber gravierende Folgen haben.
Der Vorfall zeigt damit ein zentrales Problem moderner digitaler Infrastruktur: Ein Server kann laufen. Die Leitung kann funktionieren. Das Rechenzentrum kann verfügbar sein. Und trotzdem ist ein Dienst für Nutzer nicht erreichbar, wenn die vorgelagerte Vertrauenskette nicht zuverlässig arbeitet.
Erkenntnis für die Einführung der E-Rechnung
Die Lehre aus dem Vorfall lautet: Neue Verfahren müssen so eingeführt, geändert und überwacht werden, dass Fehler nicht sofort flächendeckend wirken.
Entscheidend sind unabhängige Prüfungen, kontrollierte Rollouts, Monitoring aus Nutzersicht und ein tragfähiger Rückfallplan. Wenn Änderungen vorgenommen werden, darf der Rollout nicht nach dem Prinzip „alles auf einmal“ erfolgen.
Aus Sicht von Unternehmen ist der Vorfall deshalb mehr als eine technische Randnotiz. Er macht sichtbar, wie eng digitale Geschäftsprozesse inzwischen von Standards, Plattformen und vorgelagerten Prüfmechanismen abhängen.
Empfehlung: Deploy & Check
Eine ähnliche Denkweise ist auch bei der Einführung der E-Rechnung erforderlich. Ab 2027 rückt für viele Unternehmen der Rechnungsausgang stärker in den Mittelpunkt. Strukturierte elektronische Rechnungen werden dann nicht mehr nur empfangen, sondern in größerem Umfang selbst erstellt und versendet.
Dabei genügt es nicht, ein ERP-System technisch auf ein neues Rechnungsformat einzustellen und anschließend alle Kunden gleichzeitig umzustellen. Sinnvoller ist ein stufenweiser Rollout.
Ein praxistaugliches Vorgehen ist ein Rollout in Wellen:
Zunächst 5 Kunden, mit denen gut kommuniziert werden kann. Danach 25 Kunden. Danach 125 Kunden. Erst wenn technische und fachliche Rückmeldungen ausgewertet wurden, sollte die nächste Stufe folgen.
Dieses Prinzip lässt sich kurz mit Deploy & Check beschreiben: ausrollen, prüfen, Fehler erkennen, Prozesse stabilisieren – und erst dann skalieren.
Gerade bei der E-Rechnung können Fehler sonst schnell breite Folgen haben. Eine Rechnung kann technisch nicht valide sein, Pflichtangaben können fehlen, Stammdaten können nicht passen oder Empfängersysteme können eine Rechnung wegen anderer Prüfregeln zurückweisen. Die Folge ist nicht nur ein technisches Problem. Es kann auch zu Zahlungsverzögerungen, Rückfragen, zusätzlichem Aufwand und Liquiditätsproblemen während der Fehlerbehebung kommen.
Validatoren sind keine zentral zertifizierten Verkehrsschilder
Ein weiteres Problem kommt hinzu: Validatoren für E-Rechnungen sind in Deutschland nicht zentral zertifiziert. Sie sind damit wie Verkehrsschilder oder Messlatten für Rechnungsdaten, aber nicht alle messen zwingend identisch. Eine Rechnung kann bei einem Empfänger akzeptiert werden und bei einem anderen wegen anderer Prüfregeln hängen bleiben.
Daher ist ein stufenweiser Rollout wichtig. Unternehmen sollten nicht darauf vertrauen, dass eine einmal intern geprüfte Rechnung überall problemlos durchgeht. Entscheidend ist die Prüfung im Zusammenspiel mit echten Empfängern, echten Prozessen und echten Rückmeldungen. Unternehmen sollten jetzt mit dem Rollout beginnen, um Störungen zu erkennen und Fehler rechtzeitig zu beheben.
Digitale Prozesse scheitern selten nur an der Technik
Die Internetstörung bei .de-Domains zeigt: Digitale Abhängigkeiten sind oft komplexer, als sie im Alltag erscheinen. Nutzer sehen eine nicht erreichbare Webseite. Dahinter steht jedoch eine Kette aus Domain, DNS, Sicherheitsprüfung, Resolver, Netz, Server, Anwendung und weiteren Diensten.
Ähnlich ist es bei der E-Rechnung. Auch dort geht es nicht nur um ein Dateiformat. Es geht um Stammdaten, Prozesse, ERP-Systeme, Validierung, Versandwege, Annahmeregeln und Kommunikation mit Kunden und Lieferanten.
Die wichtigste Erkenntnis lautet daher:
Digitale Prozesse scheitern selten nur an der Technik. Sie scheitern oft daran, dass mögliche Fehler zu schnell zu breit ausgerollt werden.
Unternehmen sollten daraus lernen. Nicht nur für ihre IT-Sicherheit, sondern auch für ihre Rechnungsprozesse, ERP-Projekte und die Einführung strukturierter elektronischer Rechnungen.
Seminarhinweis
Wer die Einführung der E-Rechnung nicht als einmalige technische Umstellung, sondern als kontrollierten Rollout vorbereiten möchte, kann das Thema im Online-Seminar „Update E-Rechnung“ am 21. Mai 2026 von 8.30h-10.30h vertiefen. Es wird in Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen der IHKs Bonn, Darmstadt, Rhein-Neckar, Heilbronn und Siegen durchgeführt.
Im Mittelpunkt stehen die praktischen Anforderungen an den Rechnungsausgang ab 2027, die Formate XRechnung und ZUGFeRD, typische Fehlerquellen, der Umgang mit Validatoren sowie ein stufenweises Vorgehen nach dem Prinzip Deploy & Check.
Das Seminar richtet sich an Geschäftsführung, Rechnungswesen, IT und alle Personen, die die Umstellung der Rechnungsprozesse im Unternehmen vorbereiten oder begleiten.
Weitere Informationen und Anmeldung:
https://www.treuz.de/online-seminar-e-rechnung-update-zum-bmf-schreiben-vom-15-10-2025/
Hinweis: Jochen Treuz steht Redaktionen gerne für Interviews und Gastbeiträge zur Verfügung.
Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:
Jochen Treuz | Trainer und Berater
Herr Jochen Treuz
Nördliche Hauptstraße 44
69469 Weinheim
Deutschland
fon ..: 06201877470
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email : info@treuz.de
Über Jochen Treuz
Jochen Treuz ist Diplom-Kaufmann, Trainer, Berater und Coach mit langjähriger Erfahrung im Rechnungswesen. Seine Fachgebiete sind die elektronische Rechnungsabwicklung (E-Invoicing), Liquiditätsmanagement sowie die Digitalisierung von Finanzprozessen. Er unterstützt Unternehmen bei der Einführung der E-Rechnung, GoBD-konformer Archivierung und digitaler Prozessoptimierung.
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E-Rechnung: Warum Validatoren praktisch unverzichtbar sind
Posted by PM-Ersteller - 22/04/26 at 11:04:14 a.m.Mit der Einführung der elektronischen Rechnung beschäftigen sich derzeit Unternehmen mit Formaten wie XRechnung, ZUGFeRD oder Peppol. Dabei taucht immer wieder ein Begriff auf: der Validator.
Validatoren sind Software-Werkzeuge, die elektronische Rechnungen technisch prüfen. Sie vergleichen den strukturierten Rechnungsdatensatz – meist eine XML-Datei – mit den Vorgaben der europäischen Norm EN 16931 sowie mit den technischen Geschäftsregeln der jeweiligen Rechnungsformate.
Steuerrechtlich ist der Einsatz solcher Werkzeuge derzeit nicht vorgeschrieben. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Ohne Validierung entstehen neue Risiken im Rechnungsprozess.
Warum Validatoren nur empfohlen werden
Das Bundesministerium der Finanzen stellt in seinen aktuellen FAQ klar: Eine Validierung ist keine Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung einer Rechnung. Sie wird jedoch empfohlen, weil sie helfen kann, Fehler frühzeitig zu erkennen.
Der Hintergrund ist einfach: Der Gesetzgeber kann Anforderungen an Rechnungen definieren, aber keine konkrete Softwarelösung vorschreiben.
Damit entsteht ein scheinbarer Widerspruch:
* Validatoren sind nicht gesetzlich verpflichtend
* gleichzeitig sind sie in der Praxis nahezu unverzichtbar
Der Grund dafür liegt im Ablauf elektronischer Rechnungsprozesse.
Was Validatoren konkret prüfen
Validatoren kontrollieren vor allem zwei technische Ebenen einer E-Rechnung.
Formatprüfung
Hier wird überprüft, ob der strukturierte Datensatz korrekt aufgebaut ist. Beispiele für Fehler sind:
* ungültige XML-Struktur
* falsches Formatprofil
* technische Syntaxfehler.
Geschäftsregeln
Geschäftsregeln prüfen logische Zusammenhänge innerhalb der Rechnung. Typische Beispiele sind:
* fehlende Pflichtfelder
* ein Steuerbetrag, der rechnerisch nicht zum Nettobetrag passt
* widersprüchliche Angaben zu Steuersätzen.
Solche Fehler werden von vielen Validatoren als kritische Fehler erkannt und können dazu führen, dass eine Rechnung zurückgewiesen wird.
Eine dritte Fehlerart sind Inhaltsfehler, etwa ein falscher Steuersatz oder eine unzureichende Leistungsbeschreibung. Diese können auch bei technisch korrekten Rechnungen auftreten und müssen weiterhin im Rahmen der fachlichen Rechnungsprüfung erkannt werden.
Konsequenzen fehlerhafter Rechnungen
Eine vom Empfänger als fehlerhaft erkannte E-Rechnung führt in der Praxis meist zu zwei Reaktionen:
* Die Rechnung wird zurückgewiesen, oder
* der Empfänger stellt Rückfragen an den Rechnungsaussteller.
Beides hat unmittelbare Auswirkungen auf den Zahlungsprozess. Eine zurückgewiesene oder unklare Rechnung wird in der Regel nicht bezahlt, bis der Fehler geklärt oder eine korrigierte Rechnung vorliegt.
Hinzu kommt ein steuerlicher Aspekt: Eine fehlerhafte Rechnung berechtigt nicht zum Vorsteuerabzug. Es wird sich daher in der Praxis zeigen, ob Empfänger fehlerhafte Rechnungen zunächst gar nicht bezahlen oder ihre Zahlung zumindest um die enthaltene Vorsteuer kürzen.
Damit kann ein technischer Fehler direkt zu Zahlungsverzögerungen führen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Liquidität.
Wo Validatoren in der Praxis eingesetzt werden sollten
Viele Unternehmen setzen Validatoren deshalb inzwischen an mehreren Stellen ein.
Beim Rechnungsaussteller
Eine Prüfung vor dem Versand hilft, technische Fehler bei der eigenen Rechnungsstellung frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, Rückläufer zu vermeiden und den Geldeingang zu sichern.
Beim Rechnungsempfänger
Auch beim Eingang einer Rechnung sollte eine Validierung erfolgen, um die spätere Anerkennung des Vorsteuerabzugs nicht zu gefährden.
Im Peppol-Netzwerk
Besonders deutlich wird die Rolle der Validierung beim Austausch über Peppol. Dort werden Rechnungen automatisch geprüft, bevor sie weitergeleitet werden. Technische Fehler können bereits im Netzwerk erkannt werden.
Damit entsteht ein zusätzliches Sicherheitsnetz für alle Beteiligten.
Problem: Unterschiedliche Validatoren – unterschiedliche Ergebnisse
Ein weiterer Punkt wird in Projekten häufig unterschätzt: Validator ist nicht gleich Validator.
Nicht alle Werkzeuge prüfen Rechnungen exakt gleich. Gründe dafür sind zum Beispiel:
* unterschiedliche Implementierungen der Prüfregeln
* unterschiedliche Aktualität der verwendeten Standards
* Unterstützung nur bestimmter Rechnungsformate.
Ein Validator kann beispielsweise XRechnung mit der Syntax UBL prüfen, aber nicht die Syntax CII. Andere Systeme können zusätzlich ZUGFeRD in verschiedenen Profilen prüfen.
In der Praxis kann es deshalb vorkommen, dass eine Rechnung
* bei einem Validator als korrekt gilt,
* bei einem anderen jedoch als fehlerhaft erkannt wird.
Gerade beim Austausch zwischen unterschiedlichen Systemen führt das gelegentlich zu Rückfragen oder Ablehnungen. Daher sollten Format- und Validierungsfragen mit Geschäftspartnern frühzeitig abgestimmt und möglichst auch getestet werden.
Zusammenarbeit von Rechnungswesen und IT
Die Einführung der E-Rechnung zeigt deutlich, dass technische und fachliche Aufgaben enger zusammenrücken.
Die IT-Abteilung ist meist für Themen wie Schnittstellen, Datenformate oder Validatoren verantwortlich. Das Rechnungswesen prüft weiterhin die steuerlichen Pflichtangaben und die wirtschaftliche Plausibilität der Rechnung.
Nur wenn beide Bereiche zusammenarbeiten, lassen sich stabile Prozesse für elektronische Rechnungen aufbauen.
Fazit
Validatoren sind zwar kein gesetzlich vorgeschriebenes Instrument. In der Praxis spielen sie jedoch eine zentrale Rolle für stabile Rechnungsprozesse.
Elektronische Rechnungen werden aus den beschriebenen Gründen künftig häufig automatisch geprüft. Werden dabei Fehler erkannt, kann dies unmittelbar zu Rückfragen, Ablehnungen oder Verzögerungen im Zahlungsprozess führen.
Unternehmen sollten daher ihre Prozesse so gestalten, dass Rechnungen bereits vor dem Versand bzw. nach dem Empfang technisch geprüft und anschließend auch fachlich kontrolliert werden.
Seminarhinweis
Diese praktischen Fragen stehen auch im Mittelpunkt eines ganztägigen Online-Seminars zur E-Rechnung am 4. Mai 2026, das über mehrere Industrie- und Handelskammern angeboten wird. Das Seminar richtet sich an Mitarbeiter aus Rechnungswesen, IT und Geschäftsführung, die sich mit der Einführung und Weiterentwicklung elektronischer Rechnungsprozesse beschäftigen.
Infos zum Seminartermin: https://www.treuz.de/seminar-elektronische-rechnungsabwicklung-mit-zugferd-und-xrechnung-ihk/
FAQs des BMF (23.03.2026): https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/e-rechnung.html
Hinweis: Jochen Treuz steht Redaktionen gerne für Interviews und Gastbeiträge zur Verfügung.
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ZUGFeRD, XRechnung, UBL und Peppol BIS 3.0: Welches Format 2026 wofür geeignet ist
Posted by PM-Ersteller - 09/02/26 at 01:02:44 p.m.Bei der Auswahl der passenden Rechnungsformate stehen technische Prüfbarkeit und Prozessfähigkeit im Mittelpunkt. Der Beitrag ordnet die Formate praxisnah ein.
Viele Unternehmen beschäftigen sich derzeit intensiv mit der praktischen Umsetzung der E-Rechnung. Besonders häufig geht es dabei um die richtige Wahl von ZUGFeRD-Profilen sowie um die Abgrenzung zwischen ZUGFeRD, XRechnung, UBL und CII. Dabei geht es 2026 immer weniger um die reine Formatfrage, sondern um technische Validität, Systemfähigkeit und die Einbettung in durchgängige Prozesse im Rechnungswesen.
ZUGFeRD-Profile: Passgenau statt maximal
ZUGFeRD stellt mit BASIC, EN 16931 und EXTENDED mehrere Profile zur Verfügung. In der Praxis wird jedoch häufig vorsorglich das EXTENDED-Profil gewählt, obwohl dessen Möglichkeiten gar nicht benötigt werden.
Einen echten Mehrwert bietet EXTENDED vor allem in branchengeprägten Sonderfällen. Im Bau- und Projektgeschäft können dies beispielsweise detaillierte Leistungszeiträume je Position, Aufmaßinformationen oder Referenzen auf Bauabschnitte sowie Abschlags- und Schlussrechnungen sein. Auch bei komplexen Dienstleistungen, etwa projektbezogenen Abrechnungen mit erweiterten Leistungsbeschreibungen oder zusätzlichen internen Zuordnungsmerkmalen, kann EXTENDED sinnvoll sein.
Voraussetzung ist jedoch immer, dass diese zusätzlichen Informationen von den eingesetzten ERP-, AVA- oder Abrechnungssystemen auch verarbeitet werden. Werden sie lediglich mitgeschickt, ohne in Buchungs-, Prüf- oder Controllingprozesse einzufließen, steigt die Komplexität – ohne praktischen Nutzen. Für viele Unternehmen bleibt das Profil EN 16931 daher die fachlich und technisch sinnvollste Wahl.
ZUGFeRD, XRechnung, UBL und CII: Inhalt gleich, technische Umsetzung unterschiedlich
Inhaltlich basieren ZUGFeRD und XRechnung auf derselben Grundlage, der EN 16931. Die Unterschiede liegen jedoch in der technischen Ausprägung und im Einsatzkontext.
ZUGFeRD ist immer CII-basiert und damit strikt auf den Rechnungsaustausch beschränkt. Es kombiniert eine visuelle PDF-Darstellung mit eingebetteten strukturierten XML-Daten. Technisch können damit ausschließlich Rechnungen, Gutschriften und Stornorechnungen abgebildet werden.
XRechnung ist demgegenüber kein eigenes Datenformat, sondern ein Anforderungsprofil. XRechnungen können technisch sowohl auf CII als auch auf UBL basieren. In beiden Fällen bleibt der Anwendungsbereich jedoch funktional auf Rechnungen und rechnungsnahe Dokumente beschränkt. Die Wahl zwischen CII und UBL bei XRechnung ist daher eine technische Implementierungsfrage – keine funktionale Erweiterung des Dokumentenumfangs.
Grundsätzlich ist UBL (Universal Business Language) deutlich breiter angelegt: Neben Rechnungen unterstützt UBL auch weitere Geschäftsdokumente wie Bestellungen, Bestellbestätigungen, Lieferavise, Kataloge oder Zahlungsavise.
Obwohl UBL grundsätzlich viele Geschäftsdokumente unterstützt, beschränkt sich die Nutzung im Rahmen der deutschen XRechnung derzeit ausschließlich auf Rechnungen. Erst durch die Einbindung in Standards wie Peppol BIS wird UBL für weitergehende Geschäftsprozesse praktisch nutzbar.
Peppol BIS 3.0: Datenformat, Validierung und Prozessstandard
Mit Peppol BIS 3.0 kommt eine weitere Dimension hinzu. Peppol ist nicht lediglich ein Übertragungsnetzwerk, sondern definiert eigene Business Interoperability Specifications. Diese legen fest, wie Geschäftsdokumente strukturiert, validiert und prozessual genutzt werden.
Technisch basiert Peppol BIS 3.0 auf UBL, ergänzt dieses jedoch um verbindliche Code-Listen, zusätzliche Prüfregeln und klar definierte Prozesslogiken. Über Peppol lassen sich nicht nur Rechnungen und Gutschriften austauschen, sondern auch Dokumente wie Bestellungen, Lieferavise, Kataloge oder Wareneingangsbestätigungen.
Wer über den reinen Rechnungsaustausch hinausgehen möchte, sollte sich mit Peppol BIS 3.0 befassen. Erst Peppol macht den vollen Funktionsumfang von UBL für durchgängige digitale Geschäftsprozesse praktisch nutzbar.
E-Rechnung als Treiber für ERP, Datenqualität und KI-Einsatz
Die zunehmenden technischen Anforderungen machen deutlich, dass eine ordnungsgemäße E-Rechnungsverarbeitung ohne integrierte ERP-Systeme kaum möglich ist. Gleichzeitig zeigt sich, dass auch der Einsatz von KI im Rechnungswesen nur auf Basis strukturierter, valider Daten sinnvoll ist. KI ersetzt keine fehlenden Prozesse, sondern setzt saubere Daten, klare Zuständigkeiten und belastbare Systemlandschaften voraus. Hinzu kommen steigende Anforderungen an IT- und Cybersicherheit, da durchgängige digitale Prozesse neue Angriffsflächen schaffen.
Fazit
2026 muss die Formatentscheidung strategisch richtig getroffen werden. Dabei geht es nicht um eine theoretisch „beste“ Lösung, sondern um ein Format, das die Anforderungen erfüllt und von Kunden, Lieferanten und den eingesetzten Systemen tatsächlich unterstützt wird.
Unternehmen sind gut beraten, die Wahl von ZUGFeRD, XRechnung oder Peppol BIS in Abstimmung mit Geschäftspartnern und auf Basis der eigenen ERP- und Prozesslandschaft zu treffen. Die E-Rechnung wird damit zu einem strategisch wichtigen Bindeglied zwischen Rechnungswesen, IT und externen Partnern – und zum Ausgangspunkt für weitergehende Digitalisierungsschritte.
Aktuelle Fachseminare zum Thema
Alle Fragestellungen stehen im Mittelpunkt mehrerer Fachseminare zur E-Rechnung und Digitalisierung im Rechnungswesen 2026, die im Frühjahr bei verschiedenen Anbietern stattfinden. Geplante Termine sind der 27.02., 04.03., 05.03., 30.03., 15.04. und 28.04.2026. Behandelt werden unter anderem die Auswahl geeigneter ZUGFeRD-Profile, die technische Einordnung von XRechnung, UBL und CII sowie die Rolle von Peppol BIS 3.0 als Grundlage weitergehender digitaler Geschäftsprozesse.
Weitere Informationen zu den Seminaren: https://www.treuz.de/online-seminar-e-rechnung-update-zum-bmf-schreiben-vom-15-10-2025/
HInweis: Jochen Treuz steht Redaktionen gerne als Gastautor und Interviewpartner zur Verfügung
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