Stefan Kühn: US-Regierung ersucht den Kongress um eine Erhöhung der Schuldenobergrenze (derzeit USD 28.4 Bio.)
Posted by PM-Ersteller - 18/11/21 at 03:11:45 p.m.Die bestehenden ,außergewöhnlichen‘ Maßnahmen – Riskantes Spiel mit der nationalen Kreditwürdigkeit – Einigung im Kongress wahrscheinlich, aber nur nach intensivem politischen Kampf.
Heute werfen wir einen Blick auf ein (regelmäßig) auftretendes Problem für die globalen Finanzmärkte: die Erreichung der Schuldenobergrenze resp. die damit verbunden die nötige Erhöhung der Limite für den US-Staatshaushalt. Gemäß Aussagen von Finanzministerin Janet Yellen wird den USA spätestens am 18. Oktober dieses Jahres das Geld ausgehen! Dann droht die Schließung der Regierung (,Government Shutdown‘) und die Aussetzung von Zahlungen, inkl. Rück- und Zinszahlungen auf US-Staatsanleihen! Eine kurzfristige Zahlungsstörung würde wohl als sogenannte ,technische Zahlungsunfähigkeit‘ (technical Default) gewertet werden, da die USA ja genügend Steuersubstrat besitzt und ein Kongressentscheid in beiden Kammern die Zahlungsfähigkeit wieder erstellen. Aber das Land würde damit seinen Nimbus als eines den einzigen Ländern verlieren, das noch nie einen Staatsbankrott erlebt hat. Die Finanzmärkte würden in negativen Fall fortan eine deutliche Risikoprämie verlangen!
Mit drastischen Worten hat denn auch US-Finanzministerin Yellen den Kongress gebeten, die Schuldenobergrenze zu erhöhen. Falls nicht, drohe eine historische Finanzkrise, warnte sie. In einem Meinungsbeitrag im „Wall Street Journal“ (WSJ) schrieb sie: „Wir würden aus dieser Krise als eine dauerhaft geschwächte Nation hervorgehen“. Die Kreditwürdigkeit der USA sei ein strategischer Vorteil, stellt die Finanzministerin fest, die von einer drohenden „ökonomischen Katastrophe“ spricht, falls diese Kreditwürdigkeit verspielt wird. Eine durch die Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung ausgelöste Krise würde die wirtschaftlichen Schäden durch die anhaltende Corona-Pandemie verschlimmern, die Märkte in Aufruhr versetzen und die amerikanische Wirtschaft in die Rezession stürzen. Millionen Arbeitsplätze würden verloren gehen und die Zinsen dauerhaft steigen, so das Szenario, das Yellen beschreibt. US-Finanzministerin Yellen hat die Parlamentarier deshalb zu überparteilicher Zusammenarbeit aufgefordert: Ohne eine Erhöhung der Schuldenobergrenze drohe den USA ein »nicht wiedergutzumachender Schaden«. Angesichts der Bedeutung von US-Schatzanleihen als Hinterlegung bei Zentralbanken (50% der Devisenreserven sind US-Dollar) und als Pfandwerte für Finanzgeschäfte (sogenannte ,Repos‘) sind ihre Aussagen sogar leicht untertrieben!‘, stellt Finanzexperte Stefan Kühn, Vorstand der Autark AG, Duisburg, fest.
,Der US-Kongress einigt sich zwar regelmäßig wieder auf eine neue Schuldenobergrenze. Diese legt fest, wie viel Schulden die Bundesregierung aufnehmen darf (im Moment liegt dieser Wert bei USD 28.4 Bio. Das sind 10% der global ausstehenden Schulden!). Diese Obergrenze wurde im August 2019 für zwei Jahre ausgesetzt – also bis zum 31. Juli 2021. Ohne neue Vereinbarung zur Anhebung oder Aussetzung wurde zum 1. August 2021 eine Schuldenobergrenze in einer Höhe wieder eingeführt, die alle während der Aussetzung vorgenommenen Kreditaufnahmen abdeckt, das sind die vorgenannten USD 28.4 Bio. Die hochgradig gespaltene US-Politik dürfte jedoch diese routinemäßige gesetzgeberische Übung in ein für die Märkte potenziell schädliches Spektakel verwandeln!‘, so Finanzprofi Stefan Kühn von Musical and More AG, Duisburg.
Aktienkurse könnten wie 2011 unter Druck geraten
,Es wäre nicht das erste Mal: Schon 2011 und 2013 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen um die Schuldenobergrenze. 2011 einigte man sich nur zwei Tage vor dem Tag X auf eine Anhebung. Damit konnte ein Zahlungsausfall vermieden werden. Die Ratingagentur Standard & Poor’s entzog der US-Regierung jedoch mit einer Herabstufung das seit langem bestehende AAA-Rating. In der Folge fiel der Aktienmarkt um 17 Prozent gegenüber dem Höchststand im Juli. Die Staatsanleihen blieben ihrer negativen Korrelation mit den Aktien treu – die Renditen fielen also, obwohl die Unsicherheit direkt mit der Kreditwürdigkeit der US-Staatsanleihen selbst zusammenhing.
2013 verlief anders
Im Jahr 2013 zog sich der Showdown länger hin. Nachdem die Regierung im Januar die Obergrenze erreicht hatte, wurde diese im Februar für drei Monate aus- und im Mai neu festgesetzt, ohne dass eine längerfristige Lösung gefunden war. Dann begann eine Phase, die der derzeitigen sehr ähnelte: Die Obergrenze war festgesetzt, und die Regierung agierte mit außerordentlichen Maßnahmen weiter. Der Tag X war ebenfalls für Oktober vorgesehen, und erst Mitte Oktober wurde die Schuldenobergrenze endgültig ausgesetzt. Diesmal gab es zwar keine Reaktionen der Rating-Agenturen. Die Regierung aber wurde Anfang Oktober teilweise stillgelegt, um einen technischen Zahlungsausfall zu vermeiden. Anders als 2011 entwickelten sich die Aktien in diesem Zeitraum größtenteils gut (wenn auch mit erhöhter Volatilität), während die Staatsanleihen schwächelten.
Klar scheint jedoch, dass die Aktienmärkte in den Wochen vor dem jeweiligen Tag X negativ reagierten. US-Treasuries spielten während dieser Zeit ihre risikomindernde Rolle, aber die Renditen stiegen auch von Mai bis Oktober 2013 deutlich an, als die Verhandlungen noch liefen. Das laufende Jahr ähnelt eher der Krise von 2013. Allerdings sind die Mehrheiten im Kongress diesmal anders gelagert. Im Senat braucht es 60 von 100 stimmen, die Demokraten verfügen über 50 Stimmen und die beiden Parteien sind zutiefst polarisiert. Nach den Turbulenzen um Evergrande beschäftigt uns mit diesem Drama ein weiterer Unruheherd! Hoffen wir das Beste!‘, resümiert Finanzexperte Stefan Kühn, Vorstand der Autark AG, Duisburg.
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Stefan Kühn ist Ökonom; er befasst sich seit einigen Jahren mit den volkswirtschaftlichen Veränderungen und der Interdependenz der Märkte sowie der politischen Einflussnahme in Bezug auf Unternehmen, Gesellschaft und den Geldmarkt. Er vertritt die These, dass es sich bei makroökonomischen keynesianischen und neu-keynesianischen Modellen meistens um vollständig interdependente ökonomische Systeme handelt, die nicht rekursiv, sondern nur simultan gelöst werden können. Dabei betrachtet er nicht allein rein wissenschaftliche Methoden, sondern bezieht seine Erkenntnisse aus seiner langjährigen Tätigkeit als Unternehmer und Consultant des Managements überwiegend börsennotierter Unternehmen wie der Autark Entertainment Beteiligungsholding AG, Musical & More AG, Autark Entertainment AG, u.a.
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Stefan Kühn: Hohe Rohwarenpreise locken zur Anlage in Zertifikate mit Verbindung zu Rohwarenanlagen.
Posted by PM-Ersteller - 18/11/21 at 02:11:50 p.m.Was ist ein Zertifikat? Was ist eine Verbriefung?- Der besondere Preismechanismus und die Komplexität von Rohwarenanlagen: Contango und Backwardation- Ein Blick in den ,Werkzeugkasten‘ der Finanzwelt.
Der Blick in den ,Werkzeugkasten‘: 1. Inhaberschuldverschreibung und Zertifikat als ,Trägerinstrument‘
,Die steigenden Energiepreise wecken das Interesse von immer mehr Anlegern. Grund genug, dass wir einen Blick in den ,Werkzeugkasten der Finanzindustrie‘ werfen, um mehr über die Geheimnisse der Produktstrukturierung zu erfahren! Als Beispiel betrachten wir ein Zertifikat auf den Preis für Erdgas!
,Trägerinstrument‘ für unser Zertifikat ist eine Inhaberschuldverschreibung, (englisch: bearer bond). Dies ist eine Schuldverschreibung (also Finanzierungsinstrumente mit Rentencharakter), die als Inhaberpapier ausgestaltet ist. Der Besitzer dieser Urkunden ist nicht namentlich benannt, was die einfache Übertragung ermöglicht und damit eine hohe Verkehrsfähigkeit sorgt.
Inhaberschuldverschreibungen werden an der Börse gehandelt und mit Hilfe der WKN (Wertpapierkennnummer) oder der ISIN-Nummer identifiziert.
Viele Anlageprodukte werden heutzutage als Zertifikate begeben. Dieser Vorgang nennt sich Verbriefung. Rechtlich betrachtet ist ein Zertifikat eine Inhaberschuldverschreibung.
Zertifikate werden von einem Emittenten (z.B. einer Investmentbank) begeben und koppeln die Inhaberschuldverschreibung als Finanzierungsinstrument für die Bank mit dem Derivativteil, nehmen wir als aktuelles Beispiel die Entwicklung des Gaspreises! Die Investmentbank achtet dabei stets darauf, dass die Rohwarenposition des Zertifikats kein Richtungsrisiko (Exposure) aufweist. Die Position ist für die Bank als Absicherer (Hedger) ,marktneutral‘.
Derivat bedeutet, dass das gekaufte Wertpapier keine direkte Investition in einen Wert darstellt. Sie kaufen also nicht den physischen Rohstoff. Die Funktion eines Derivats ist, dass es sich an der Preisentwicklung des sogenannten Basiswerts‘ orientiert, also davon ,ableitet‘ (vom lateinischen Wort ,derivare‘). Zu beachten ist auch, dass Derivate ihrerseits noch eine eigene Preisdynamik haben, wenn sie als Optionen begeben werden. Wir werden unsere Analyse aus aktuellem Anlass an einem Zertifikat auf den Gaspreis vornehmen.
NB: Beim Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008 wurde vielen Investoren schmerzhaft bewusst, dass sie das Kreditrisiko dieser Investmentbank trugen. Viele Lehman-Zertifikate verfielen wertlos! Deshalb ist dem Kreditrating (Kreditwürdigkeit) des Emittenten große Aufmerksamkeit zu schenken!‘, erklärt Finanzexperte Stefan Kühn, Vorstand der Autark AG, Duisburg.
An Rohwarenmärkten (Terminkontrakte) werden Futures gehandelt!
,Im Unterschied zu Aktien und Renten, die ,zur Kasse‘ (,Spot‘: ,auf der Stelle‘, ,hier und jetzt‘; die Begriffe in Klammern bezeichnen den englischen Fachbegriff) gehandelt werden, werden bei Rohwaren Terminkontrakte (Futures) gehandelt.
Wenn Anleger Futures (Terminkontrakte) kaufen, haben sie sowohl das Recht als auch die Verpflichtung, den der Futures-Anlage zugrundeliegenden Vermögenswert zu einem bestimmten Datum in der Zukunft zu kaufen. Beim Kassageschäft fallen Zahlung und Lieferung zeitgleich an. Im Unterschied zu Optionen bilden Futures die Preisentwicklung des Basispreises (fast) 1:1 ab. Optionen beinhalten hingegen ein Recht, aber keine Verpflichtung!
Marktteilnehmer sind Spekulanten, Investoren (zu diesen zählen auch die Absicherer, also die ,Hedger‘ des Bankenbuchs) und die eigentlichen (End-)Verbraucher (Raffinerien, Versorger, verarbeitende Industrie).
Für die Produzenten der Rohwaren (Bauern, Minenbetreiber, Energieförderer, etc.) sind Futures ein sinnvolles Instrument, um ihre Produkte zu einem bestimmten Preis zu verkaufen und damit Planungssicherheit (z.B. für Investitionen) zu haben. Die Abnehmer ihrerseits erhalten eine klare Kalkulationsbasis. Futures sind also ökonomisch wertvolle Instrumente!‘, jährt Finanzprofi Stefan Kühn von Musical and More AG, Duisburg, aus.
Der Blick in den ,Werkzeugkasten‘: 2. Contango und Backwardation!
Allerdings müssen bei der Anlage in Rohwaren gewisse Mechanismen und Komplexitäten beachtet werden. Dies betrifft vor allem die Dynamik der Futures-Terminkurve (forward curve). Das ist die Kurve, die sich durch das Abtragen der verschiedenen Futures Preise über die Zeit ergibt. Wir unterscheiden hier zwischen einer Terminkurve, die in einer ,Contango‘- resp. einer ,Backwardation‘-Formation vorliegen kann.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Kurvenformationen verändern können, was seinerseits einen Effekt auf den Ertrag der Anlage hat. An den Börsen wird die Zukunft gehandelt und deshalb ändert sich ein Futures-Preis im Laufe der Zeit. Marktteilnehmer aktualisieren ihre Ansichten über den zukünftig erwarteten Spotpreis regelmäßig bei Eintreffen neuer Nachrichten! Dies verändert dann wiederum die verschiedenen Futures Preise und regelmäßig auch die Struktur der ganzen Forward Kurve!
Eine Contango-Formation (,normale‘ Termin-Kurve) liegt vor, wenn der Futures-Preis über dem erwarteten zukünftigen Spot-Preis liegt. Da der Futures-Preis zum erwarteten zukünftigen Spot-Preis konvergieren muss, impliziert Contango, dass die Futures-Preise im Laufe der Zeit fallen.
Diesen Effekt nennen wir ,die Terminkurve hinunterrollen‘ (Rolling down the curve). Eine Backwardation (,inverse‘ Terminkurve) liegt vor, wenn die Futures-Preise unter dem Spot-Preis liegen.
Wenn ein Futures-Kontrakt unter dem Kassapreis gehandelt wird, steigt er über die Zeit an, da der Preis nach Ablauf des Kontrakts schließlich mit dem Kassapreis konvergieren muss. Dies ist wünschenswert für Investoren, die den ,Markt gekauft‘ haben (,long the market‘ sind): sie möchten ja, dass der Futures-Preis steigt. Diesen Effekt nennen wir ,die Kurve hochrollen‘ (Rolling up the curve).
Backwardation tritt am wahrscheinlichsten auf, wenn ein bestimmter Rohstoff kurzfristig knapp wird – insbesondere bei ,weichen‘ Rohstoffen (,soft commodities‘) wie Öl und Gas. Sie ist weniger wahrscheinlich bei ,harten‘ Rohstoffen wie Gold oder Silber (hier gibt es große Vorräte). Bei anderen harten Rohstoffen, die industriell verbraucht werden (z.B. Kupfer oder Uran) kann hingegen auch eine Backwardation auftreten. Dies zum 1. Teil der Ausführungen, im 2. Teil analysieren wir die Ertragskomponenten unseres Zertifikats und die Preisbildung im gegenwärtigen Umfeld!‘, stellt Finanzexperte Stefan Kühn, Vorstand der Autark AG, Duisburg, in Aussicht.
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Stefan Kühn: Elektromobilität und Klimaneutralität: eine Mogelpackung? (Teil2)
Posted by PM-Ersteller - 05/11/21 at 02:11:11 p.m.Das E-Auto als Hoffnungsträger! Eine Illusion?
Das Elektroauto wird gerne als Hoffnungsträger gepriesen, das helfen soll, einige der drängendsten Umweltprobleme in den Griff zu bekommen.
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Analysen zu wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Zusammenhängen zu erarbeiten! Nüchtern recherchiert, analytisch detailliert, mit klaren Schlussfolgerungen! Wir scheuen uns dabei auch nicht, unsere (unbequeme) Meinung zu kontroversen Themen abzugeben, unabhängig, unemotional! Dieser Vorspann ist wichtig, wenn wir uns dem heutigen Thema zuwenden!“ erklärt Stefan Kühn. „Denn wenige Themen werden so inkonsistent analysiert, gehandhabt und kommuniziert wie Elektromobilität und Klimaneutralität! Wir betonen, dass wir keine Leugner des Klimawandels sind, ganz im Gegenteil! Aber wir sind auch der Ansicht, dass nur effiziente Strategien einen erkennbaren Nutzen bringen! Alles andere sind Feigenblätter für die Gewissensberuhigung!“
Vor allem in Hinblick auf die Klimakrise sehen viele die Stromer als rettende Mobilitätslösung. Doch vieles spricht dafür, dass sich die E-Mobilität in Hinblick auf den Klima- und Umweltschutz als große Enttäuschung entpuppen dürfte!“ bedauert Stefan Kühn.
Vom effizienztechnischen und ökologischen Ideal meilenweit entfernt
„Auch wenn Elektroautos keine Abgase in die Umwelt pusten, handelt es sich keineswegs um klimatechnisch saubere Ökomobile. Zwar fahren die Stromer lokal emissionsfrei, doch in ihrer Gesamtbilanz sorgen sie für schädliche Emissionen, vor allem auch für einen hohen CO2-Ausstoß. Beispiel gefällig? Allein der Energiebedarf zur Herstellung einer Traktionsbatterie entspricht der Menge Treibstoff, mit der konventionell angetriebene Autos gut und gerne 50.000 bis 80.000 Kilometer weit fahren können. Es bedarf also einer hohen Laufleistung, damit die Ökobilanz eines E-Autos am Ende besser als die eines herkömmlichen Fahrzeugs ausfällt.
Zumal der Strom zum Antrieb eines Elektroautos auch noch in vielen Jahren überwiegend aus klimaschädlichen Quellen stammen wird. Wer ausschließlich über eine autarke Photovoltaikanlage sein E-Mobil mit Strom füttert, könnte tatsächlich eine beinahe klimaneutrale Nutzung realisieren. Praktisch werden die allermeisten Fahrer von E-Autos die Energie jedoch aus öffentlichen Stromnetzen beziehen. Und hier stellt sich die Frage, wie viel Strom dann regenerativen Ursprungs ist. Im deutschen Netz liegt der Anteil der Energie zum Betrieb von Elektroautos aktuell bei gut einem Drittel! Das heißt der Rest kommt aus den herkömmlichen Energieträgern (vor allem Kohle und Gas) mit dem entsprechenden negativen CO2-Fingerabbdruck!“ stellt Stefan Kühn nüchtern fest.
„Eigentlich soll das Elektroauto eine zentrale Rolle bei der Energiewende spielen. Doch um die Energiewende möglichst schnell zu erreichen, müssten Autos noch deutlich effizienter werden – auch Elektroautos. Die meisten der derzeit bei Autokunden gefragten E-Mobile sind allerdings alles andere als effizient. Stattdessen handelt es sich um mächtige Luxusmobile mit ebenfalls mächtigen Batteriepaketen und enormer Motorleistung. Der neue E-Lamborghini strotzt/protzt z.B. mit 2000 PS und einem unglaublichen Drehmoment! Das enorme, verzögerungsfreie Drehmoment ist ja auch eine Hauptcharakteristik eines Elektromotors! Vom effizienztechnischen und ökologischen Ideal sind diese Fahrzeuge damit allerdings meilenweit entfernt. Dennoch darf sich ein Tesla Model X mit einem grünen Image schmücken, wenngleich die Ökobilanz für dieses Fahrzeug in Wahrheit schlecht ausfällt.“
Keine „Superbatterie“ in Sicht
Batterieelektrische Autos haben das Problem eingeschränkter Reichweite, was vor allem an der geringen Energiedichte der zudem sehr teuren Batterien liegt. Trotz vieler Ankündigungen: Bislang ist keine Superbatterie in Sicht, die bei kleinem Bauraum eine hohe Speicherkapazität erlaubt und auch noch günstig ist. Zwar gibt es immer wieder Berichte über Graphen-, Feststoff- oder Flusszellen-Batterien – doch keine dieser angeblichen ,Heilsbringer‘ scheint reif für die Serienproduktion.
„Vorläufig setzen alle etablierten Elektroautohersteller entsprechend auf die Lithium- Technik, die im Vergleich zu anderen verfügbaren Batterievarianten die höchste Energiedichte und Lebensdauer verspricht. Allerdings sind bei dieser Technik auf absehbare Zeit keine großen Entwicklungssprünge zu erwarten. Experten gehen davon aus, dass mit einigen Innovationen in den kommenden Jahren die Energiedichte von Lithium-Ionen-Akkus lediglich moderat steigen wird!“ so Stefan Kühn.
Brennstoffzellenauto als Hoffnungsträger? Wohl eher nicht!
„Da es vorläufig bei Lithium-Ionen-Batterien bleiben wird, für deren Produktion unter anderem die Metalle Lithium und Kobalt benötigt werden, könnte es zu massiven Rohstoffengpässen kommen. Beide Materialien dürften angesichts ambitionierter E-Mobilitäts-Pläne vieler Autohersteller in den USA, China und Europa schon bald knapp werden. Bereits jetzt gilt der Weltmarkt von Lithium und Kobalt als leergefegt. Den Abbau der Rohstoffe deutlich zu steigern, dürfte jedoch Probleme bereiten. So kommt mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts etwa aus der politisch instabilen Demokratischen Republik Kongo. Dazu kommen Themen wie Kinderarbeit und hohe Umweltverschmutzung beim Abbau! Sozialer und nachhaltiger Abbau sieht anders aus!
Etwas besser dürfte es um die Versorgung mit Lithium stehen. Neben einigen Ländern in Südamerika fördern auch China und Australien in größeren Umfängen Lithium. Sollte der Bedarf in den kommenden Jahren drastisch steigen, und dafür sorgen schon allein die Expansionspläne deutscher Hersteller, wird es allerdings auch hier zu Engpässen kommen. Gut möglich, dass der Kampf um die Rohstoffe manchen Autobauer vor schwer lösbare Probleme stellt.
Die derzeit verfügbaren Batterien sind ein alles andere als optimales Speichermedium, weshalb viele das Brennstoffzellenauto als eigentlichen Königsweg sehen, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Wasserstoff eignet sich in vielfacher Hinsicht besser als Speichermedium. Doch auch hier wartet die Technik seit Jahrzehnten auf den Durchbruch für den Massenmarkt. Immer wieder wurden in der Vergangenheit kleine Versuchsflotten auf die Straße gebracht sowie hier und dort neue Wasserstofftankstellen eröffnet, doch der Siegeszug dieser Technik scheint in weiter Ferne. Um der Brennstoffzelle zum Durchbruch zu verhelfen, bedarf es unter anderem gewaltiger Investitionen in die Infrastruktur. Den globalen Bedarf bis ins Jahr 2030 hat eine kürzlich von McKinsey veröffentlichte Studie auf rund 280 Milliarden US-Dollar beziffert!“ stellt Stefan Kühn fest.
Wasserbad und der „leise Tod“ – Ohne Licht für mehr Reichweite
„Elektroautos sind außerdem aus sicherheitstechnischer Sicht für den Menschen gefährlich. Die Bilder von brennenden Stromern, die von der Feuerwehr kaum gelöscht werden können und dann Tage lange im Wasserbad auskühlen müssen, sind mittlerweile hinlänglich bekannt! Und in China spricht man seit Jahren in Zusammenhang mit der E-Mobilität auch vom „leisen Tod“. Unter anderem, weil viele E-Fahrer für mehr Reichweite im Dunkeln oft ohne Licht fahren. In der Dunkelheit sieht man sie nicht. Hören kann man sie ohnehin nicht.
Ernüchternde Schlussfolgerungen und implizite Handlungsvorgaben!
„Derzeit deutet also vieles darauf hin, dass das Elektroauto auch in den nächsten Jahrzehnten keinen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz leisten wird. Vermutlich werden sich deshalb viele die Frage stellen, was denn geschehen muss, um individuelle Massenmobilität und Klimaschutz in Einklang zu bringen? Die meisten Autofahrer werden die ehrlichen Antworten als unbequem empfinden, wie sich an den entsprechenden Themen- und Wahlbarometern ja leicht ablesen lässt! Der Hebel muss also anderswo angesetzt werden!“ fasst Stefan Kühn seine Analyse zusammen.
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Stefan Kühn ist Ökonom; er befasst sich seit einigen Jahren mit den volkswirtschaftlichen Veränderungen und der Interdependenz der Märkte sowie der politischen Einflussnahme in Bezug auf Unternehmen, Gesellschaft und den Geldmarkt. Er vertritt die These, dass es sich bei makroökonomischen keynesianischen und neu-keynesianischen Modellen meistens um vollständig interdependente ökonomische Systeme handelt, die nicht rekursiv, sondern nur simultan gelöst werden können. Dabei betrachtet er nicht allein rein wissenschaftliche Methoden, sondern bezieht seine Erkenntnisse aus seiner langjährigen Tätigkeit als Unternehmer und Consultant des Managements überwiegend börsennotierter Unternehmen wie der Autark Entertainment Beteiligungsholding AG, Musical & More AG, Autark Entertainment AG, u.a.
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