Türkei-Protest in Straßburg: Tausende fordern Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit

Straßburg: Über 5.000 Menschen demonstrierten beim 5. Justiztreffen vor dem Europarat. Sie fordern ein Ende der Repressionen in der Türkei und die sofortige Umsetzung aller EGMR-Urteile.

BildAm Mittwoch demonstrierten über 5.000 Menschen vor dem Europarat in Straßburg. Beim 5. Justiztreffen für die Türkei appellierten Betroffene und Politiker gemeinsam an Ankara, die ignorierten Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) endlich umzusetzen.

Bei extremen Temperaturen von über 35 Grad versammelten sich gestern Tausende Menschen aus ganz Europa vor dem Gebäude des Europarats in Straßburg. Ziel der groß angelegten Kundgebung war es, ein entschlosseneres Vorgehen gegen die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in der Türkei einzufordern. Das mittlerweile fünfte „Justiztreffen für die Türkei“, welches von der _Peaceful Actions Platform_ und 17 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen initiiert wurde, brachte politisch Verfolgte, Menschenrechtler und Parlamentarier zusammen.

Unter dem Leitmotiv „Justice for All in Turkey“ richteten die Demonstrierenden klare Forderungen an die europäischen Institutionen und die türkische Regierung. Besonderes Augenmerk lag auf den nicht umgesetzten EGMR-Urteilen, darunter die prominenten Fälle von Osman Kavala, Selahattin Demirtas sowie die Grundsatzentscheidungen in den Verfahren Yalçinkaya und Yasak. Die Veranstalter warnten eindringlich davor, dass die systematische Ignoranz dieser Rechtsentscheidungen mittlerweile die Autorität des gesamten europäischen Menschenrechtssystems beschädige.

Solidarität aus der europäischen Politik

Die Veranstaltung wurde von zahlreichen politischen Akteuren flankiert. So drückten elf Abgeordnete des Europäischen Parlaments – darunter Daniel Freund und Michael Bloss aus Deutschland sowie Vertreter aus Italien, Schweden und Portugal – ihre Unterstützung durch Videobotschaften aus.

Vor Ort hielt der britische Parlamentarier James MacCleary eine aufsehenerregende Rede. Er erinnerte die Mitarbeiter des Europarats an ihre Kernaufgabe: den Schutz von Grundrechten. Mit Blick auf die Inhaftierungen von Bürgermeistern wie Ekrem Imamoglu, Akademikern und Lehrern mahnte MacCleary, Europa dürfe zu diesem Unrecht nicht schweigen. Er richtete zudem einen direkten Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan, alle politischen Gefangenen unverzüglich freizulassen und die Justiz wieder zu einer unabhängigen Instanz zu machen.

Auch Sandra Regol, französische Abgeordnete der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE), verurteilte die rechtswidrigen Inhaftierungen von Frauenrechtlerinnen und Journalisten scharf. Sie ermutigte die Anwesenden, ihren Kampf für Gerechtigkeit fortzusetzen. Die US-amerikanische Professorin Sophia Pandya untermauerte die Forderungen mit Berichten aus ihrer Forschungsarbeit. Sie habe mit geflohenen Familien in Griechenland gesprochen und dabei erschütternde Zeugnisse über Folter und Ausgrenzung von mutmaßlichen Anhängern der Gülen-Bewegung dokumentiert.

Offizielle Forderungen und prominente Stimmen

Ein zentraler Akt der Kundgebung war die Übergabe eines offiziellen Forderungskatalogs an Vertreter des Europarats, gerichtet an Generalsekretär Alain Berset und den EGMR. In dem Dokument wurde ein besser koordiniertes und entschiedeneres Handeln der europäischen Gremien gefordert.

Auf der Bühne kamen zudem bekannte Persönlichkeiten zu Wort. Der ehemalige NBA-Profi und Menschenrechtsaktivist Enes Kanter Freedom betonte, dass man sich hier versammelt habe, um die Stimme Tausender unschuldiger Gefangener zu sein. Die Künstlerin Hilal Nesin sprach stellvertretend für inhaftierte Frauen und Intellektuelle und hoffte auf baldige bessere Zeiten.

„Verspätete Gerechtigkeit ist keine Gerechtigkeit“

Besonders berührend waren die Erfahrungsberichte direkter Opfer der Repressionswelle nach dem 15. Juli 2016. Der Journalist Tuncer Çetinkaya, dessen Inhaftierung erst vergangene Woche vom EGMR offiziell als rechtswidrig verurteilt wurde, machte deutlich, dass ein Urteil nach neun Jahren Leidenszeit keine echte Gerechtigkeit darstelle.

Der per Dekret entlassene Lehrer Erhan Dogan erzählte von seiner 18-monatigen Haft in Sincan, den erlittenen Misshandlungen und seinem anschließenden Neuanfang in Deutschland. Diese persönlichen Schicksale spiegeln die Ergebnisse einer aktuellen Studie der italienischen Menschenrechtsorganisation FIDU wider: Der Bericht „Ziviler Tod in der Praxis“ belegt, dass Zehntausende Betroffene durch soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung bis heute massiv leiden, selbst wenn rechtliche Verfahren längst eingestellt wurden.

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Demo vor Schlachthof „Dithmarscher Geflügel“ bei Potsdam angekündigt

Nach schweren Tierschutzvorwürfen rufen ARIWA und ANINOVA zur Demo am 29.03.2026 in Seddiner See auf. Rund 200 Teilnehmende werden erwartet.

BildVor dem Geflügelschlachthof der Marke „Dithmarscher Geflügel“ in Seddiner See soll es am 29. März 2026 eine Demonstration geben. Dazu rufen die Tierrechtsorganisationen Animal Rights Watch (ARIWA) und ANINOVA gemeinsam auf. Erwartet werden rund 200 Teilnehmende.

Hintergrund sind schwerwiegende Tierschutzvorwürfe: Bereits im Dezember hatte ANINOVA Bildmaterial aus dem Schlachthof veröffentlicht, das den Verdacht auf Tierquälerei begründet. Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie Enten und Gänse geschlagen, gewürgt oder grob an Kopf und Hals gerissen werden. Die dokumentierten Handlungen sind aus Sicht von ANINOVA als schwere Tierschutzverstöße bis hin zu strafrechtlich relevanter Tierquälerei zu bewerten.

Auch im Umfeld des Schlachthofs stehen weitere Betriebe in der Kritik. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) hat aktuelles Bildmaterial aus einem Entenmastbetrieb veröffentlicht, das einen groben Umgang mit Tieren bei der Verladung dokumentiert. Der betroffene Betrieb war bereits in der Vergangenheit durch Tierschutzverstöße aufgefallen, die zu behördlichen Maßnahmen und einer Geldauflage führten. Die aktuellen Aufnahmen legen nahe, dass es sich um wiederholte Verstöße handelt. Die Tiere werden anschließend zum Schlachthof nach Seddiner See transportiert.
Mehrere Supermarktketten, darunter EDEKA, Kaufland und REWE, haben ihre Zusammenarbeit mit dem Schlachthof nach Bekanntwerden der Vorwürfe ausgesetzt. Hier besteht die Forderung, dass die Zusammenarbeit dauerhaft beendet wird.

Mit der Demonstration soll auf die dokumentierten Missstände aufmerksam gemacht und eine grundlegende gesellschaftliche Debatte angestoßen werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Tiere überhaupt für wirtschaftliche Zwecke gezüchtet, transportiert und getötet werden dürfen.

Die beteiligten Organisationen fordern vor diesem Hintergrund die Schließung des betroffenen Entenmastbetriebs sowie des Schlachthofs in Seddiner See. Während der Mastbetrieb als Wiederholungstäter gilt, zeigen die Aufnahmen aus dem Schlachthof aus Sicht der Organisationen besonders gravierende und systematische Formen der Tierquälerei.
Eine pflanzliche, vegane Lebensweise bietet die beste Möglichkeit, Tierleid konsequent zu vermeiden.

Demo-Übersicht
Wann: 29.03.2026, 11:15 Uhr – 13:15 Uhr
Wo: Start am Bahnhof Seddiner See, Ende vor dem Schlachthof, Am Fuchsbau 24, 14554 Seddiner See
Veranstalter: Animal Rights Watch (ARIWA), Ansprechpartnerin: Anna Schubert (presse@ariwa.de), Tel.: 01577-6633353
Ziel: Anstoß einer gesellschaftlichen Debatte über die Nutzung von Tieren sowie die Forderung nach Schließung des Entenmastbetriebs und des Schlachthofs in Seddiner See

Weitere Informationen zur Demo hier und zur Schlachthof- Aufdeckung hier.

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Der Focus von ANINOVA e.V. liegt in den Bereichen Massentierhaltung und Pelz. Die Tierrechtsorganisation zeigt mit Aufdeckungen und Undercover Recherchen auf, wie sogenannte Nutztiere in Deutschland gehalten werden. Weitere Informationen unter www.aninova.org

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Demo gegen „Dithmarscher Geflügel“ in Seddiner See nach schweren Tierschutzvorwürfen angekündigt

Nach veröffentlichtem Bildmaterial zu Missständen im Schlachthof „Dithmarscher Geflügel“ ruft ARIWA für den 29. März zur Demo in Seddiner See auf.

BildVor dem Geflügelschlachthof der Marke „Dithmarscher Geflügel“ in Seddiner See (Landkreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg) soll es am 29. März 2026 eine Demonstration geben. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) hat eine Laufdemonstration angekündigt, die um 11:15 Uhr am Bahnhof Seddiner See beginnt und gegen 13:15 Uhr am Schlachthof Am Fuchsbau 24, 14554 Seddiner See endet. Erwartet werden rund 200 Teilnehmende.

Hintergrund der Demonstration ist der Verdacht von massiven Tierschutzverstößen in dem Betrieb. Ende Dezember hatte ANINOVA umfangreiches Bildmaterial veröffentlicht, das zwischen 08.11.2025 und 05.12.2025 mit versteckten Kameras im Schlachthof entstanden ist. Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie Enten und Gänse geschlagen, am Hals gewürgt oder grob an Kopf und Hals gerissen werden. Zudem sind Situationen dokumentiert, in denen Tiere kopfüber hängen, während Förderbänder stillstehen.

Die inzwischen abgeschlossene Auswertung des gesamten Materials umfasst 1.455 Stunden Videomaterial, darunter etwa 215 Stunden aus tierschutzkritischen Bereichen. Dabei wurden zahlreiche Übergriffe dokumentiert, die nach fachlicher Bewertung als mittel bis schwer einzustufen sind. In diesen Fällen wurden den Tieren länger anhaltende oder erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt. Die Handlungen erfüllen aus Sicht von ANINOVA den Tatbestand der Tierquälerei und sind als Straftaten zu bewerten.

Nach Veröffentlichung der Aufnahmen reagierten zahlreiche Handelsunternehmen. Mehrere Supermarktketten, darunter REWE, die Bünting-Gruppe, EDEKA und Kaufland, stellten die Belieferung aus dem Schlachthof vorerst ein. Zudem kündigte der Bundesverband Tierschutz die bislang bestehende Zertifizierung der Freilandhaltung des Unternehmens und untersagte dem Schlachthof, weiterhin mit dieser Zertifizierung zu werben.

Der Schlachthof selbst reagierte bislang lediglich mit begrenzten arbeitsrechtlichen Maßnahmen. Eine mitarbeitende Person wurde entlassen, eine weitere verwarnt und angewiesen, einen bestimmten Arbeitsbereich künftig nicht mehr zu betreten. Die Auswertung des Videomaterials zeigt jedoch, dass mindestens drei Mitarbeitende an Misshandlungen beteiligt waren. ANINOVA hat den Schlachthof um eine Stellungnahme geben, diese äußerte sich bisher allerdings nicht zu den Vorwürfen, bestätigte aber den Eingang der Anfrage.

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch neue Aufnahmen aus einem Zulieferbetrieb für Enten. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch veröffentlichte Anfang des Jahres Bildmaterial aus dem Betrieb Nicolai & Ricardo Czaskowski GbR in Storkow (Brandenburg). Bereits in der Vergangenheit waren dort Tierschutzverstöße dokumentiert worden, die zu behördlichen Maßnahmen und einer Geldauflage führten. Das nun veröffentlichte Material zeigt erneut einen groben Umgang mit den Tieren bei der Verladung. Die betroffenen Enten werden anschließend zu dem Schlachthof nach Seddiner See transportiert. ANINOVA hat auch den Entenmastbetrieb um Stellungnahme geben. Doch sämtliche Versuche der Kontaktaufnahme per Post, Fax und Telefon scheiterten. Eine E-Mail blieb unbeantwortet.

Der Fall hat inzwischen auch eine politische Debatte ausgelöst. Nachdem die Aufnahmen aus dem Schlachthof öffentlich wurden, entfachte bundesweit erneut die Diskussion über Videoüberwachung in Schlachthäusern. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat daraufhin kürzlich einen Gesetzentwurf vorgestellt, der eine stärkere Videoüberwachung in Schlachtbetrieben vorsieht. Aus Sicht von ANINOVA greift dieser Ansatz jedoch zu kurz. „Eine Kamera löst nicht das grundlegende Problem eines Systems, in dem Tiere am Fließband getötet werden. Der vorgelegte Entwurf bleibt aus unserer Sicht unzureichend und nicht weitgehend genug“, erklärt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA.

Die Demonstration am 29. März soll daher nicht nur auf die dokumentierten Missstände aufmerksam machen, sondern auch eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit Tieren anstoßen. „Schlachthäuser gehören zu den intransparentesten Orten unserer Gesellschaft. Es gibt keinen Tag der offenen Tür, keine Kita- oder Schulführungen durch Schlachthöfe. Ein Schlachthof ist kein schöner Ort – weder für Menschen und erst recht nicht für Tiere. Kein Tier geht freiwillig in einen Schlachthof“, so Peifer.

Mit der Demonstration soll deshalb auch die grundlegende ethische Frage in den Mittelpunkt gerückt werden: Dürfen wir Tiere überhaupt mästen, transportieren, töten und essen?
Wer sicherstellen möchte, dass für das eigene Essen kein Tier leiden oder sterben muss, kann sich bewusst für eine vegane Lebensweise entscheiden.

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