Niederlande treiben tierversuchsfreie Forschung weiter voran

Der neue Förderkompass ist Teil des niederländischen Regierungsprogramms TPI, das den Übergang zu tierversuchsfreier Forschung vorantreibt.

BildNeue Datenbank macht Fördermöglichkeiten erstmals übersichtlich zugänglich

Mit dem neu gestarteten NAMs Funding Compass stellt die niederländische Regierung eine öffentlich zugängliche Datenbank bereit, die Fördermöglichkeiten für tierversuchsfreie Forschungsprojekte auf niederländischer und europäischer Ebene bündelt. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche begrüßt diesen Schritt ausdrücklich als wichtiges Signal für den Ausbau moderner, humanrelevanter Wissenschaft.

Der neue Förderkompass ist Teil des niederländischen Regierungsprogramms Transition Program for Animal-free Innovations (TPI), das mit mehreren Initiativen den Übergang zu tierversuchsfreier Forschung vorantreibt. Ziel ist es, tierversuchsfreie Methoden (auch New Approach Methodologies, NAMs) sichtbarer, zugänglicher und stärker finanzierbar zu machen, damit Tierversuche langfristig abgeschafft werden können.

Der NAMs Funding Compass bietet eine strukturierte Übersicht über Fördermöglichkeiten für NAMs und listet diese nach den jeweils relevanten Akteuren und Förderwegen. Die Fördermöglichkeiten im Kompass sind nach Technologie-Reifegraden geordnet, sodass Forschende für jede Entwicklungsphase ihrer tierversuchsfreien Technologien passende Angebote finden können. Das Tool richtet sich an Forscher, Unternehmen und öffentlich-private Partnerschaften, die Fördermöglichkeiten für ihre tierversuchsfreie Forschung, Validierung und Umsetzung suchen. Er soll Forschenden helfen, schneller passende Programme zu finden und die oft unübersichtliche Förderlandschaft besser zu navigieren.

„Die Niederlande zeigen mit dem NAMs Funding Compass, wie Förderpolitik aussehen kann, wenn man tierversuchsfreie Forschung wirklich voranbringen will. Der Kompass ist ein praktisches Werkzeug, aber vor allem ist er ein politisches Signal: Die Zukunft der biomedizinischen Forschung liegt in humanrelevanten Methoden“, sagt Dr. Dilyana Filipova, wissenschaftliche Referentin bei Ärzte gegen Tierversuche.

Ärzte gegen Tierversuche sieht in der niederländischen Entwicklung ein positives Gegenmodell zur deutschen Förderpraxis. Während die Niederlande mit TPI mehrere Bausteine aufbauen, um den Ausstieg aus Tierversuchen voranzubringen, fehlt es in Deutschland weiterhin an einer konsequenten Strategie zugunsten tierversuchsfreier Forschung.

Das eigentliche Problem in Deutschland ist, dass über 99 Prozent der öffentlichen Fördermittel für biomedizinische Forschung weiterhin in Tierversuchsprojekte fließen. Tierversuchsfreie Forschung wird dagegen nur in wenigen, oft wenig sichtbaren Förderprogrammen berücksichtigt. „Das ist nicht nur wissenschaftlich rückständig, sondern auch politisch kurzsichtig“, so Dr. Filipova.

Ärzte gegen Tierversuche fordert daher, die Forschungsförderung in Deutschland grundlegend neu auszurichten. Öffentliche Gelder sollten gezielt in innovative tierversuchsfreie, humanbasierte Technologien fließen, damit Deutschland nicht weiter hinter Ländern wie den Niederlanden zurückbleibt.

Quelle

TPI. NAMs Funding Compass launched, Pressemitteilung von 29.04.2026

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Ärzte gegen Tierversuche. Was kosten Tierversuche?

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Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Frau Melanie Seiler
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51427 Bergisch Gladbach
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email : seiler@aerzte-gegen-tierversuche.de

„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.

Pressekontakt:

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„Future Science – das Ende der Tierversuche?“ startet in den Kinos

Der Dokumentarfilm, der den Wandel von Tierversuchen zu humanbasierten Forschungsmethoden beleuchtet, kann weiteren Programmkinos vorgeschlagen werden.

BildFilmpremiere mit renommierten Forschenden in Köln

Der Dokumentarfilm „Future Science“ startet am 30. April 2026 in den Kinos und beleuchtet den Wandel von Tierversuchen hin zu modernen, humanbasierten Forschungsmethoden. Bereits am 25. April 2026 um 19.00 Uhr feiert der Film seine Deutschlandpremiere im Filmpalast Köln. Hierzu haben sich mehrere international renommierte Forschende angekündigt, die auch im Film zu sehen sind und im anschließenden Fachgespräch vertiefende Einblicke geben werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) unterstützte die Produktion und begleitet die Kinotour mit Expertenbeiträgen.

Der für Dokumentationen zu gesellschaftlichen Themen bekannte Filmemacher Marc Pierschel hat „Future Science“ realisiert und lässt dort international tätige Forscherinnen und Forscher zu Wort kommen. Sie arbeiten an Technologien wie Multi-Organ-Chips, 3D-Bioprinting und Künstlicher Intelligenz. Diese Verfahren ermöglichen es, Krankheiten direkt am Modell des menschlichen Körpers zu erforschen und die Wirkung von potenziellen Arzneimitteln präzise zu simulieren. Produziert wurde der Dokumentarfilm unter anderem von dem Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke.

„Der Film zeigt, dass ein grundlegender Wandel hin zu modernen, humanbasierten Methoden, die verlässlichere Ergebnisse liefern als Tierversuche, bereits begonnen hat“, erklärt Dr. Tamara Zietek, Geschäftsführerin Wissenschaft bei ÄgT. „Gleichzeitig macht er deutlich, wie stark bestehende Strukturen diesen Wandel noch bremsen.“

Neben den wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet die Dokumentation auch Herausforderungen. Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen sowie wirtschaftliche und institutionelle Interessen erschweren Veränderungen.

Deutschlandpremiere ist am 25. April 2026 um 19.00 Uhr im Filmpalast in Köln. Neben Pierschel haben sich die namhaften Forschenden Prof. Dr. Dr. Thomas Hartung (Johns Hopkins University und Center for Alternatives to Animal Testing (CAAT), USA, Prof. Dr. Jens Kurreck (TU Berlin), Prof. Dr. Uwe Marx (TissUse GmbH, Berlin), Dr. Melanie Ort (Charité, Berlin) und Dr. Clemens Wittwehr (EU-Referenzlaboratorium für Alternativen zu Tierversuchen) – Protagonisten des Films -, für die Premiere angekündigt. Im anschließenden Fachgespräch, moderiert von Dr. Zietek, kann das Publikum direkt Fragen an die Forschenden richten. Dabei lassen Fragen aus dem Publikum eine besondere Lebendigkeit erwarten.

Weitere Vorführungen mit anschließenden Diskussionen sind in mehreren Städten geplant. Begleitet werden diese jeweils von Filmemacher Marc Pierschel und verschiedenen Fachleuten zu der Thematik.

„Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit versteht, welche Möglichkeiten moderne Forschung heute bietet“, so Zietek. „Der Film kann dazu beitragen, den Blick auf humanrelevante und tierversuchsfreie Methoden zu lenken und den Diskurs voranzubringen.“

Angesichts der enormen Vorteile der in dem Dokumentarfilm dargestellten tierversuchsfreien Methoden, fordert Ägt die deutschen Entscheidungsträger auf, endlich ein Umdenken einzuleiten und die Weichen weg vom System Tierversuch hin zu moderner, sinnvoller Forschung zu stellen.

Während die Erstaufführung in Berlin bereits ausverkauft ist, sind Tickets für Köln und die weitere Kinotour ab sofort online bei den jeweiligen Kinos erhältlich.

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„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.

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USA schaffen neue Rahmenbedingungen für tierversuchsfreie Forschung

US-Gesundheitsbehörde investiert 150 Millionen $ in New Approach Methodologies (NAMs) und die US-Arzneimittelbehörde FDA legt Leitlinienentwurf zur Validierung von NAMs vor.

BildAbkehr vom tierexperimentellen Standard in der Arzneimittelentwicklung

Die USA beschleunigen den Übergang zu modernen, humanbasierten Forschungsmethoden in der Medizin. Mit umfangreichen Investitionen und neuen regulatorischen Leitlinien setzt das Land verstärkt auf Verfahren, die ohne Tierversuche auskommen und sich stattdessen direkt an der menschlichen Biologie orientieren. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) sieht darin einen wichtigen Schritt hin zu einer effizienten und verlässlichen Forschung und fordert, dass Deutschland endlich nachzieht.

Die US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) investiert mehr als 150 Millionen US-Dollar in sogenannte New Approach Methodologies (NAMs). Dazu zählen unter anderem Organoide, Organ-on-Chip-Systeme und computergestützte Modelle. Diese Methoden können menschliche Krankheitsprozesse im Gegensatz zu sogenannten Tiermodellen realistisch abbilden und so die Vorhersagekraft der Medikamentenforschung erhöhen und die erfolgreiche Übertragung von Forschungsergebnissen in wirksame Therapien verbessern (1).

Parallel dazu hat die US-Arzneimittelbehörde FDA einen Entwurf für eine neue Leitlinie vorgelegt, die einen strukturierten Rahmen zur Validierung dieser Methoden definiert. Unter Validierung versteht man den wissenschaftlichen Nachweis, dass eine Methode zuverlässig funktioniert und für einen bestimmten Zweck geeignet ist. Genau hier lag bislang ein zentrales Hindernis für die breite regulatorische Akzeptanz von NAMs. Die FDA beschreibt nun klare Kriterien, darunter den Anwendungskontext, die biologische Relevanz für den Menschen, die technische Zuverlässigkeit und die Eignung für regulatorische Entscheidungen. Damit schafft die Behörde die Grundlage, um den Einsatz von NAMs in Zulassungsverfahren zu vereinfachen (2).

Zugleich macht die FDA in einer begleitenden Pressemitteilung deutlich, dass Tierversuche langfristig nicht mehr als Standard in der Arzneimittelentwicklung betrachtet werden sollen. Stattdessen sollen verstärkt humanrelevante Methoden eingesetzt werden, um Sicherheit und Wirksamkeit neuer Wirkstoffe zu bewerten. Hintergrund ist die wachsende wissenschaftliche Evidenz, dass tierexperimentelle „Modelle“ die Reaktionen des menschlichen Organismus nicht zuverlässig vorhersagen. So betont die FDA, dass es bereits heute validierte NAMs gibt, die bessere Vorhersagen ermöglichen als traditionelle „Tiermodelle“, deren Vorhersagekraft für den Menschen nicht validiert wurde (3).

„Die aktuellen Entwicklungen in den USA zeigen einen grundlegenden Wandel in der biomedizinischen Forschung. Humanbasierte Methoden entwickeln sich von ergänzenden Ansätzen zu tragenden Säulen der Arzneimittelentwicklung“, sagt Dr. Johanna Walter, wissenschaftliche Referentin bei ÄgT. „Besonders bedeutsam ist, dass mehrere Behörden diesen Wandel – Hand in Hand – aktiv gestalten und klare Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Anwendung dieser Methoden schaffen.“

Die Kombination aus gezielter Forschungsförderung, regulatorischer Unterstützung und strategischer Koordination über Behördengrenzen hinweg signalisiert einen systemischen Umbruch. Programme wie das NIH-Förderprogramm Complement-ARIE stellen sicher, dass neue Methoden nicht nur entwickelt, sondern auch validiert, standardisiert und in die regulatorische Praxis überführt werden (4). Damit entsteht ein zusammenhängender Ansatz aus Forschung, Bewertung und Anwendung.

Aus Sicht von ÄgT sind diese Maßnahmen richtungsweisend: „Die neuen Entwicklungen in den USA verdeutlichen, dass der Übergang zu einer modernen, humanrelevanten Forschung nicht nur technologisch, sondern auch politisch und regulatorisch umsetzbar ist“, so Walter.

Auch international zeichnen sich entsprechende Entwicklungen ab: So arbeitet die Europäische Union an einer Roadmap für den schrittweisen Ausstieg aus Tierversuchen in der Sicherheitsbewertung von Chemikalien.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sieht ÄgT in Deutschland dringenden Handlungsbedarf. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, sind eine verbindliche Ausstiegsstrategie aus Tierversuchen, gezielte Investitionen in humanbasierte Methoden und deren konsequente Integration in regulatorische Verfahren notwendig. Ohne entsprechende politische Weichenstellungen droht Deutschland den Anschluss an die internationale Entwicklung zu verlieren.

Quellen
(!Links auf der ÄgT-Webseite unter https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/news/usa-schaffen-neue-rahmenbedingungen-fuer-tierversuchsfreie-forschung)

1. NIH invests $150 million in human-based research to reduce use of animal models. National Institutes of Health (NIH), Pressemitteilung vom 18.03.2026

2. General Considerations for the Use of New Approach Methodologies in Drug Development. Leitlinienentwurf, FDA, 18.03.2026

3. FDA Releases Draft Guidance on Alternatives to Animal Testing in Drug Development. FDA, Pressemitteilung vom 18. 03.2026

4. Complement Animal Research In Experimentation (Complement-ARIE) Program. NIH, 18.03.2026

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email : seiler@aerzte-gegen-tierversuche.de

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