Multiple Sklerose (MS): nicht selten, aber selten gesehen

28.02.2026: Zum Tag der seltenen Erkrankungen lenkt AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. den Blick auf eine Erkrankung, die oft übersehen wird.

BildZwar ist Multiple Sklerose (MS) keine seltene Krankheit – sie wird jedoch in ihren Auswirkungen vielfach nicht gesehen. Viele typische MS-Symptome sind für Außenstehende nicht sichtbar oder werden fehlinterpretiert. Das bedeutet für Betroffene eine zusätzliche Belastung, weil sie sich im Alltags- und Berufsleben rechtfertigen oder erklären müssen.

Unsichtbare Symptome – sichtbare Missverständnisse
Mit mehr als 280.000 Erkrankten ist MS in Deutschland die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. In Baden-Württemberg sind derzeit ca. 38.000 Personen an MS erkrankt. Weil das Immunsystem die schützenden Myelinscheiden der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark angreift, wird die Weiterleitung elektrischer Impulse gestört. Das kann sich auf Bewegung, Empfindung und kognitive Funktionen auswirken. Viele Menschen verbinden mit MS vor allem sichtbare Beeinträchtigungen wie Gehhilfen oder einen Rollstuhl. Dabei gehören unsichtbare Symptome wie Fatigue (abnorme Müdigkeit und Erschöpfung), Sensibilitäts-, Gleichgewichts- oder Blasenfunktionsstörungen zu den häufigsten Beschwerden. Mit 44,4 Prozent ist Fatigue das zweithäufigste Symptom hinter Mobilitätseinschränkungen bei MS-Erkrankten in Baden-Württemberg (MS-Register 2024). Besonders belastend für MS-Erkrankte: Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen werden oftmals als Trunkenheit gedeutet.

Kein Tag wie der andere
Menschen mit Multipler Sklerose erleben häufig erhebliche Schwankungen ihrer Beschwerden. An manchen Tagen ist selbstständiges Gehen möglich, an anderen ist schon der Weg vom Bett ins Bad kaum zu bewältigen. Diese Dynamik ist ein typisches Merkmal der „Erkrankung mit den 1.000 Gesichtern“, die sich von Tag zu Tag und von Person zu Person anders zeigen kann. Während hoher entzündlicher Aktivität kann die Signalübertragung deutlich beeinträchtigt sein. Klingen entzündliche Prozesse ab, stabilisiert sich häufig auch (vorübergehend) die Funktion. Geschädigte Nerven reagieren zudem empfindlich auf Hitze, Infekte oder Erschöpfung; Symptome können sich dadurch vorübergehend deutlich verstärken.

MS-Diagnose braucht Zeit
Die Vielfalt der Symptome erschwert nicht nur das Verständnis in der Öffentlichkeit, sondern auch die Diagnosestellung. Einen einzelnen Test, der MS eindeutig nachweist, gibt es nicht. In der Regel sind mehrere Untersuchungen notwendig, darunter MRT, Analysen des Nervenwassers und neurologische Verlaufsbeobachtungen. Häufig vergeht Zeit, bis eine gesicherte Diagnose gestellt werden kann. Besonders frühe Krankheitszeichen sind oft unspezifisch und können auch bei anderen neurologischen Erkrankungen auftreten.

Mehr Wissen schafft Verständnis
MS ist keine seltene Erkrankung, aber sie wird selten im richtigen Licht gesehen. Das Wissen um die unsichtbaren Symptome und ihren Einfluss auf die Lebensqualität MS-Erkrankter fördert Verständnis und gesellschaftliche Teilhabe. Unterstützung im Umgang mit der Krankheit sowie fundierte Informationen bietet AMSEL seit über 50 Jahren auf https://www.amsel.de/

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

AMSEL e.V.
Frau Michaela Seyerlen
Nöllenstraße 7
70195 Stuttgart
Deutschland

fon ..: 0711697860
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email : info@amsel.de

AMSEL – wer ist das?
Die AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. ist Fachverband, Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für MS-Kranke in Baden-Württemberg. Die Ziele der AMSEL: MS-Kranke informieren und ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern. Der AMSEL-Landesverband hat rund 7.200 Mitglieder, über 60 AMSEL-Gruppen und 15 Junge Initiativen in ganz Baden-Württemberg. Mehr unter www.amsel.de

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Bundesverdienstkreuz für außergewöhnliches Engagement von Sabine Gwarys

Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielt Sabine Gwarys das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

BildMinisterin der Justiz und für Migration Marion Gentges MdL übergab die Auszeichnung als Symbol der Anerkennung, des Respekts und großer Wertschätzung für den langjährigen Einsatz der Ettenheimerin. Durch ihr Engagement als Leitung der AMSEL-Gruppe Ortenaukreis haben Multiple-Sklerose-Erkrankte dort seit mehr als 25 Jahren eine Anlaufstelle für Austausch und Zusammenhalt.

Am 6. Februar 2026 wurde Sabine Gwarys mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Rathaus Ettenheim versammelten sich über 70 Personen, darunter Bürgermeister Bruno Metz, Ministerin der Justiz und für Migration Marion Gentges MdL und Adam Michel, Vorstandsvorsitzender der AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. Selbst an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, setzt sich Sabine Gwarys als Leiterin der AMSEL-Gruppe Ortenaukreis und im Vorstand der AMSEL für die Anliegen MS-Betroffener ein.

„Sie sind eine Frau der Tat. Aber nicht nur das. Sie sind auch eine Frau mit Herz.“

So die Worte von Ministerin Marion Gentges MdL an Sabine Gwarys. Seit 1999 leitet sie die AMSEL-Gruppe im Ortenaukreis und berät Betroffene zu allen Fragen im Leben mit MS. Gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Helferteam werden Ausflüge, Reisen speziell für Menschen mit Behinderung und gemeinsame Aktivitäten organisiert. Auch Besuche von Mitgliedern, die nicht mehr an den Treffen teilnehmen können, sind der 62-Jährigen ein großes Anliegen. In über 25 Jahren hat Sabine Gwarys ein großes Netzwerk in der Region aufgebaut, das vielen Menschen Halt und Kraft gibt und verhindert, dass MS-Betroffene in die Isolation geraten. Die Gruppe zählt derzeit über 220 Mitglieder.
Nach einigen Jahren im Kontaktgruppenbeirat der AMSEL nimmt die ehemalige Bankkauffrau seit 2009 ehrenamtlich im Vorstand der AMSEL die Funktion als stellvertretende Vorsitzende ein. Das außergewöhnliche Engagement der Gruppenleiterin wird auch von Bürgermeister Bruno Metz wahrgenommen und geschätzt, dies brachte er in seinen Begrüßungsworten zum Ausdruck. AMSEL-Vorstandsvorsitzender Adam Michel sprach Sabine Gwarys großen Dank für ihr Wirken aus, das im Alltag vieler MS-Betroffener positive Spuren hinterlässt. Mit den Worten _“Ohne engagierte Menschen wie Sie, wäre Baden-Württemberg nicht das, was es ist. Wir wären um vieles ärmer“_, überreichte Ministerin Marion Gentges MdL den Verdienstorden.

57 AMSEL-Gruppen in Baden-Württemberg

Die Anliegen von MS-Betroffenen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, ist Sabine Gwarys, wie auch der AMSEL, ein Anliegen. AMSEL e.V. ist Fachverband, Selbsthilfeorganisation und Interessensvertretung für Multiple-Sklerose-Erkrankte in Baden-Württemberg. Neben der Gruppe im Ortenaukreis unterstützt AMSEL weitere 56 Gruppen landesweit. Selbsthilfe, gegenseitiger Austausch und Halt stehen im Mittelpunkt der Gruppen. Mehr Informationen gibt es auf https://www.amsel.de/regional/

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AMSEL aktualisiert das Kognitions-Online-Trainingsprogramm für Menschen mit Multipler Sklerose

AMSEL – Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG Baden-Württemberg, e.V. hat die Trainingsplattform „MS Kognition“ erweitert und aktualisiert.

Bild„MS Kognition“ ist ein maßgeschneidertes, interaktives Trainingsprogramm aus theoretischem Wissen und praktischen Übungen. Die aktuell zwölf wissenschaftlich fundierten Übungen schulen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exekutivfunktionen – wichtige kognitive Funktionen, die bei Multipler Sklerose oft beeinträchtigt sind und schwerwiegende Auswirkungen auf den Alltag haben können. Neu ist die spielerische Übung „Spatzenfütterung“, mit der die Bewegungskoordination trainiert werden kann. Die Darstellungsweise und Navigation der Webseite wurden optimiert und barrierefrei gestaltet. Die App zu „MS Kognition“ wurde ebenfalls aktualisiert und erweitert. Ziel der Anwendung ist die Stärkung kognitiver Fähigkeiten.

Mit „Spatzenfütterung“ Bewegungskoordination trainieren

Die neue Übung „Spatzenfütterung“ simuliert das Gefühl des Sich-Bewegens. Im Spiel geht es darum, einem Vogel beim Auffangen vom Tisch fallender Gegenstände zu helfen. Es darf nur Nahrung gefangen werden, währenddessen eine Maus stört und verscheucht werden muss. Wird die Maus nicht rechtzeitig vertrieben, wird der Spatz langsamer oder friert in der Bewegung kurz ein. Mit jeder Schwierigkeitsstufe wird das Spiel schneller und die Maus erscheint häufiger. Die Übung trainiert die Reaktionszeit, geteilte Aufmerksamkeit und die Hand-Augen-Koordination beim Antizipieren der verschiedenen Bewegungsgeschwindigkeiten.

Unmittelbar nach Beendigung einer Übung erfolgt die Auswertung. Trainingsfortschritte werden dokumentiert. Zu jeder Übung wird erklärt, um welche Funktion es geht und anhand praktischer Beispiele belegt, wo diese Fähigkeit im Alltag erforderlich ist. Die Ergebnisse werden in einer Statistik dokumentiert, die geteilt werden kann.

Wissenschaftliche Konzeption

Konzeption und Gestaltung von „MS Kognition“ wurden von Prof. Dr. med. Peter Flachenecker, Chefarzt, und der leitenden Diplompsychologin Heike Meißner, beide Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof, Bad Wildbad, wissenschaftlich begleitet. Entwickelt wurde das Internetprojekt von AMSEL e.V. und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.

Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit

Alle Bereiche der Webseite können über die Tastatur oder von der Sprachausgabe navigiert werden. Die Schriftgröße kann individuell angepasst werden. Zur optimalen Darstellung auf allen Geräten wurde eine Formatänderung der Übungen von 4:3 zu 16:9 durchgeführt. Alle Übungen enthalten Filter, die Sehschwächen simulieren. Alle Kontraste wurden überprüft und den Vorgaben der Barrierefreiheit entsprechend angepasst. Neu ist auch die Druckfunktion der Übungsergebnisse, die einem Arzt vorgelegt werden können. Ergänzend zur Desktop-Version wurde auch die App aktualisiert. Diese kann im App Store und bei Google Play kostenlos heruntergeladen werden.

Mit MS Kognition kognitive Störungen behandeln

Bei 45 bis 65 Prozent der MS-Kranken sind kognitive Prozesse eingeschränkt. Bei zwei Drittel der befragten MS-Kranken bleiben die kognitiven Störungen unbehandelt. Die Einschränkungen, beispielsweise in der Aufmerksamkeit oder Informationsverarbeitung, führen zu Schwierigkeiten im Alltag und Beruf. Mit dem Trainingsprogramm MS Kognition können kognitive Fähigkeiten trainiert werden, um diese Schwierigkeiten zu reduzieren.

Reaktionsbereitschaft, geteilte Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisvermögen und Exekutivfunktionen können geschult werden – Fähigkeiten, die im Verlauf der Erkrankung Einschränkungen erfahren.

Alle Übungen und der Link zum Download der App findet sich auf der Website: https://www.amsel.de/ms-kognition/index.html

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