Ohne klimaneutrale Kraftstoffe werden CO2-Ziele verfehlt

Erneuerbare und alternative Kraftstoffe sind für den Klimaschutz im Mobilitätssektor unverzichtbar und dienen der Energiesicherheit/Offener Brief von 175 Wissenschaftlern an die EU-Gremien

Hamburg/Frankfurt am Main, 20.04.22. Klimaschutz braucht Innovation. Dafür stehen 175 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Bereichen, die sich anlässlich der Bearbeitung des Fit-for-55-Pakets und der kürzlich angekündigten Taxonomie-Verordnung in einem offenen Brief an die Europäische Kommission und nun auch an das EU-Parlament und den EU-Rat wenden. „Innovationen gedeihen nur auf dem Boden der Technologieoffenheit, die wir bei den geplanten Änderungen der gesetzlichen Regelungen zum Klimaschutz im Verkehr vermissen“, betonen die beiden Initiatoren, Prof. Dr.-Ing. Thomas Willner von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und Dr. Armin Günther von der Air Liquide Global E&C Solutions Deutschland GmbH in Frankfurt am Main. Der Appell hat vor allem die CO2-Flottenregulierung für Pkw und schwere Nutzfahrzeuge im Blick, außerdem die Infrastruktur-Regulierung für alternative Kraftstoffe, die Energiebesteuerungs-Richtlinie und die Erneuerbare-Energien-Richtlinie.

Die Gruppe der Wissenschaftler will politische Entscheidungsträger dabei unterstützen, die richtigen Weichen für den Klimaschutz im Verkehr zu stellen und damit die ehrgeizigen Klimaschutzziele zu erreichen. Zumal eine Defossilisierung des Fahrzeugbestandes insbesondere von der CO2-Flottenregulierung ignoriert wird.

Angesichts des enormen und immer größer werdenden Zeitdrucks könne man sich Versäumnisse und Fehler beim Klimaschutz nicht mehr leisten. Klimaschutzmaßnahmen müssten unmittelbar nach ihrer Umsetzung greifen. „Wir wollen daher eine breite Diskussion zu diesem Thema auf wissenschaftlicher Basis anregen und fordern eine transparente und technologieneutrale Klimaschutzpolitik, die sich an realen physischen Treibhausgasminderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette orientiert“, so Prof. Willner. In diesem Bereich sieht er viel Raum für Verbesserungen bei den gesetzlichen Regelungen.

Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass die derzeitigen Regelungen eine einseitige Förderung der Elektromobilität darstellen, die in dieser Form physikalisch nicht zu rechtfertigen sei. So würden beispielsweise in der CO2-Flottenverordnung die Elektromobilität mit null CO2-Emissionen angerechnet, während erneuerbare und andere alternative Kraftstoffe keinerlei Berücksichtigung fänden.

„Dies verhindert einen fairen Wettbewerb um die besten Problemlösungen, da die tatsächlichen Treibhausgasminderungen unberücksichtigt bleiben. Das Klima reagiert nur auf reale physikalische Treibhausgasmengen und nicht auf von der Politik willkürlich festgelegte Faktoren für die Anrechnung von Maßnahmen,“ betont Prof. Willner.

Die Wissenschaftler kommen aufgrund vorliegender Studien (1) zu dem Schluss, dass die Elektromobilität in dem für den langfristigen Erfolg oder Misserfolg des Klimaschutzes entscheidenden Zeitraum bis 2030 aller Voraussicht nach zu keiner nennenswerten Treibhausgasminderung führen wird. Zu berücksichtigen seien insbesondere die hohen CO2-Emissionen durch die Batteriefertigung, der noch lange bestehende hohe Anteil fossiler Energieträger an der Stromerzeugung sowie der enorme Aufwand für die Ladeinfrastruktur. Zudem binde die Elektromobilität erneuerbare Potenziale des Stromsektors im Verkehrssektor, die dann an anderer Stelle, zum Beispiel in der Industrie, fehlen würden.

Die Forschungsgruppe um Prof. Willner sieht andere Lösungen wie nachhaltige, treibhausgaseinsparende alternative Kraftstoffe (flüssig und gasförmig, einschließlich erneuerbarem Wasserstoff, Methan und anderen), „die unserer Meinung nach weitaus effektiver sind, weil sie bei der bestehenden Flotte von mehr als 260 Millionen Fahrzeugen in der EU sofort zu echten Treibhausgasreduzierungen führen würden – ohne dass eine neue Infrastruktur erforderlich wäre.“ Die Gesetzgebung müsse dringend gleiche Wettbewerbsbedingungen für diese Optionen schaffen. Dazu gehört parallel eine ambitionierte Zielsetzung für den Ausbau der Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur entlang der Hauptverkehrsadern, wie sie beispielsweise derzeit seitens der EU diskutiert wird. Dies erfährt zum Beispiel auch Unterstützung durch die Initiative „H2Mobility Deutschland, um der steigenden Wasserstoffnachfrage im Mobilitätssektor gerecht zu werden.

„Der Schlüssel zur Dekarbonisierung des Mobilitäts- und Industriesektors und zur Unterstützung der Energiesicherheit ist die Diversifizierung verschiedener erneuerbarer Pfade sowie die Weiterentwicklung neuer und die Optimierung bestehender Technologiepfade“, betont Mitinitiator Dr. Armin Günther.

Was sind alternative Kraftstoffe? Dazu gehören nicht nur die derzeit auf dem Markt befindlichen Biokraftstoffe der ersten Generation, sondern auch fortschrittliche Biokraftstoffe wie HVO/Care-Diesel und andere, die aus Abfällen und Reststoffen aus der Land- und Forstwirtschaft, der Holzindustrie, der Lebensmittelindustrie und ähnlichen Bereichen hergestellt werden. Hinzu kommen Kraftstoffe auf der Basis von nicht-biogenen Abfällen wie Kunststoffen sowie strombasierte Kraftstoffe, so genannte PtX-Kraftstoffe (Power-to-X) bzw. E-Fuels, und hocheffiziente Hybride, d. h. Kraftstoffe, die sowohl auf Rest- oder Abfallstoffen als auch auf Strom basieren (z. B. abfallbasierte E-Fuels).

Reine E-Fuels könnten beispielsweise in Ländern mit einem Überschuss an erneuerbaren Energien hergestellt und nach Europa importiert werden. Das benötigte Kohlendioxid könnte aus verschiedenen Quellen, sogar direkt aus der Luft, abgeschieden werden. „Laut einer aktuellen Studie (2) könnten mehr als eine Million neuer Arbeitsplätze in Europa geschaffen werden“, so der Appell der Wissenschaft. Mit der Einführung solcher E-Fuels neben Wasserstoff hätte Europa auch die Chance, einen Beitrag zur Deckung seines sehr hohen Energieimportbedarfs auf Basis erneuerbarer Energien zu leisten. Außerdem würde dies die für den Klimaschutz dringend notwendige internationale Zusammenarbeit voranbringen. Denn Klimaschutz ist eine Aufgabe, die nur global gelöst werden kann.

Den Ukraine-Krieg nimmt Christian Elvers, der Pressesprecher der Initiative, zum Anlass für einen weiteren Appell: „Aktuell erleben wir, wie eng Klimaschutz und Energiesicherheit miteinander verzahnt sind. Ein Markthochlauf klimaneutraler, nicht fossiler Kraftstoffe in Europa ist schon heute möglich. Damit kommen wir nicht nur beim Klimaschutz voran, sondern verringern auch die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten.“

Anhang: Offener Brief an die EU-Kommission
https://1drv.ms/b/s!AiNpg8W86IUGhrhz28CAjNkx-iXxNQ?e=b7rMfq

1 https://www.fvv-net.de/fileadmin/user_upload/medien/pressemitteilungen/FVV_LCA_Life-cycle_analysis_Frontier_Economics_R595_final_2020-06_EN.pdf
2 https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2021/Gutachten-Synthetische_Kraftstoffe_Europa_englisch.pdf

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E-Fuels: Wie die synthetischen Kraftstoffe den Rohstoff-Markt beeinflussen könnten

Das Ende des Verbrennungsmotors ist längst noch keine ausgemachte Sache. Sogenannte E-Fuels könnten dem totgeglaubten Verbrennungsmotor ein Revival verschaffen.

BildMit E-Fuels könnten Verbrennungsmotoren klimaneutral arbeiten
Als E-Fuels werden synthetische Kraftstoffe bezeichnet, die mit Hilfe von Strom sowohl aus Wasser als auch aus Kohlenstoffdioxid hergestellt werden und wie Benzin und Diesel in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden können. Das Besondere: Sofern als Stromquelle ausschließlich erneuerbare Energien genutzt werden, sind E-Fuels zu 100 Prozent klimaneutral. Sie haben damit das Potenzial, dem Verbrennungsmotor ein unverhofftes Comeback zu verschaffen.

Während Elektroautos als tragende Säule der Energiewende in aller Munde sind, wird die Entwicklung von E-Fuels deutlich seltener von den Medien aufgegriffen. Das liegt unter anderem daran, dass die alternativen Kraftstoffe bislang noch nicht wirtschaftlich zum Einsatz kommen können. Allerdings schreitet die Entwicklung der Technologie rasant voran. Schon in diesem Jahrzehnt könnten E-Fuels erstmals wettbewerbsfähig gegenüber Benzin, Diesel und Kerosin werden. Sollte es soweit kommen, dürften der Siegeszug der synthetischen Kraftstoffe kaum mehr aufzuhalten sein, denn im Gegensatz zu Elektrofahrzeugen könnte die bestehende Infrastruktur, vor allem die Tankstellen, nahezu unverändert genutzt werden.

Einfluss der E-Fuels-Entwicklung auf den Rohstoffmarkt
Eine zunehmende Bedeutung von E-Fuels hätte massive Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt meint der Limburger Edelmetallhändler Marko Mähner. Seiner Meinung nach würden gleich mehrere Rohstoffe von dieser Entwicklung massiv profitieren. Da wären insbesondere:

1. Seltene Erden: Die Metallgruppe der Seltenen Erden ist für den Bau zahlreicher technologischer Anwendungen unverzichtbar – das gilt insbesondere für Zukunftstechnologien. Verbaut werden sie etwa in Solarpanels und Generatoren für Windkraftanlagen. Und da zur Herstellung von klimaneutralen E-Fuels grüner Strom notwendig ist, könnte die Nachfrage nach Seltenen Erden künftig noch weiter steigen.

2. Palladium, Platin und Rhodium: Das Aus der Verbrennungsmotoren soll, aus umweltpolitischen Gründen, spätestens 2040 kommen – was sehr ambitioniert erscheint. Sollten jedoch E-Fuels wirtschaftlich werden, würde der Bedarf an Platin, Palladium und Rhodium noch höher ausfallen, denn sie sind für die Abgasreinigung in Verbrennungsmotoren unverzichtbar. Entsprechend heiß begehrt sind diese Edelmetalle bereits jetzt.
Und da viele E-Fuels auf die Elektrolyse von Wasser setzen, um Wasserstoff als Energieträger nutzen zu können, kommt Platin eine noch größere Rolle zu. In welchem Umfang zur Wasserstoffelektrolyse Platin benötigt wird, ist in dem Beitrag „Die Auswirkungen der EU-Wasserstoffstrategie auf den Platinmarkt“ nachlesen.

Seltene Erden, Palladium und Platin dürften zu den großen Gewinnern von Innovationen im E-Fuels-Sektor zählen – und sind damit insbesondere für langfristig orientierte Anleger interessant. Mit innovativen Angeboten wie dem Granvalora Sachwertdepot ist eine Investition übrigens denkbar einfach. Teilen Sie einfach einen Einmalbetrag auf die Rohstoffe auf oder investieren Sie einen flexiblen monatlichen Sparbetrag ganz nach Ihren Wünschen.

Platin und Seltene Erden: Cleveres Investment in die Mobilität der Zukunft
Das Beste: Während E-Fuels durchaus in Konkurrenz zu elektrischen und brennstoffzellenelektrischen Fahrzeugen stehen, gleichen sich die Rohstoffe, die für alle drei Antriebstechniken benötigt werden. Insbesondere Platin und Seltene Erden werden für Elektroautos, Brennstoffzellenfahrzeuge und mit E-Fuels betriebene Verbrennungsmotoren gleichermaßen benötigt. Mit einer Geldanlage in Platin oder Seltene Erden investieren sie also garantiert in die mobile Zukunft – wie auch immer diese im Detail aussehen mag. Tipp: Wenn Sie mehr zur rasanten Entwicklung von Elektroautos und Brennstoffzellen erfahren möchten, lohnt sich das kostenfreies E-Book „Der Verbrennungsmotor in Ungnade„. Dort lesen Sie unter anderem:

– von welchen speziellen Rohstoffen die E-Mobilität abhängig ist,
– wie Sie gezielt in Rohstoffe wie Seltene Erden und Platin investieren können,
– warum Sie Ihr Rohstoffinvestment unbedingt diversifizieren sollten und
– wie Sie vom sogenannten „Cost-Average-Effekt“ profitieren können.

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