Andere Hochschulen schrumpfen, das Herman Hollerith Zentrum in Böblingen wächst. Ein grandioser Erfolg

Seit 10 Jahren finanzieren Stadt und Landkreis Böblingen das Herman Hollerith Zentrum. Im Interview erklärt Landrat Roland Bernhard warum sich das Engagement für den Hochschulstandort gelohnt hat.

BildVor 10 Jahren am 8. Oktober 2013 wurde das Herman Hollerith Zentrum (HHZ) in Böblingen offiziell eröffnet. Finanziert wird das Lehr- und Forschungszentrum der Hochschule Reutlingen maßgeblich durch Stadt und Landkreis Böblingen. Einer der Initiatoren war der Böblinger Landrat Roland Bernhard.

Herr Bernhard. Sie haben damals gesagt, dass die Eröffnung des HHZ ein Freudentag für den Landkreis sei. Mit der Eröffnung sei ein Traum in Erfüllung gegangen.Mit welchen Gefühl begehen Sie das 10-jährige Jubiläum heute?
Roland Bernhard:
Dass der Landkreis Böblingen Hochschulstandort wird, war ein Herzensanliegen von mir. Das stand bereits bei meinem Amtsantritt 2008 ganz oben auf meiner Agenda. Es galt aber zunächst viele Hürden zu überwinden. Die Einweihung 2013 war ein Freudentag und die Erfüllung eines Traums. Dass wir heute 10-jähriges Jubiläum feiern können ist noch mehr Grund zum Jubeln. Das HHZ ist eine Erfolgsgeschichte, auf die ich sehr stolz bin. Das Angebot umfasst inzwischen drei Masterstudiengänge, einen Bachelorstudiengang und die Möglichkeit zur Promotion. Mittlerweile sind es 300 Studierende und 30 Doktoranden bei 9 Professoren. Ich danke der Hochschule Reutlingen, insbesondere Hochschulpräsident Prof. Dr. Hendrik Brumme und Prof. Dr. Alexander Roßmann, für die exzellente Arbeit am HHZ und der Stadt Böblingen für die gemeinsame Unterstützung.

In den 10 Jahren seit dem Bestehen des HHZ haben Landkreis und Stadt Böblingen rund 4 Millionen Euro in das HHZ investiert und die Räume zur Verfügung gestellt. Mit einem Erweiterungsvertrag wurde das finanzielle Engagement erst letztes Jahr verlängert. Ist es gut investiertes Geld?
Roland Bernhard:
Im Landkreis Böblingen sind Weltfirmen zuhause, Hidden Champions und innovative Ideenschmieden im Hochtechnologiesektor. Damit wir bei Rankings auch in Zukunft vorne mit dabei sind, gilt es, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Hier spielt das HHZ eine wichtige Rolle. Der Landkreis Böblingen und die Stadt Böblingen sind starke und verlässliche Partner, die als Kooperation das HHZ finanziell fördern. Es handelt sich um eine Zukunftsinvestition und ich danke dem Kreistag, dass er dies von Seiten des Landkreises möglich macht. Beachtenswert ist, dass das HHZ in der Periode bis 2023 circa 8 Mio. EUR. Drittmittel (Forschungs- und Transferprojekte) für den Landkreis Böblingen eingeworben hat. Auch das Zentrum für Digitalisierung ZD.BB als Digital Hub ist ein Erfolgsmodell des HHZ. Das ZD.BB unter Leitung von Dr. Claus Hoffmann unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung. Vor Kurzem hat das Land einen Förderbescheid in Höhe von 950.000 Euro übergeben, was zeigt, dass auch das Land den Erfolg anerkennt. Um die Potentiale der Künstlichen Intelligenz zu nutzen, wurde am HHZ mittlerweile ein KI Lab für die Region Stuttgart etabliert. Auch darum haben wir vor zwei Jahren beschlossen, den Vertrag bis 2033 zu verlängern und damit den erfolgreichen Weg weiter zu gehen.

Ein Ziel, dass sie damals mit der Einrichtung erreichen wollten, war die Stärkung des wissenschaftlichen Standorts Böblingen. Konnte das erreicht werden?
Roland Bernhard:
Das wurde definitiv erreicht. Seit der Eröffnung des HHZ ist der Landkreis Böblingen Hochschulstandort. Mit dem im Wintersemester 2021/2022 gestarteten Bachelorstudiengang wurde die Lücke geschlossen zwischen den Schulen im Landkreis und dem Hochschulangebot des HHZ. Seitdem ist eine lückenlose IT-Ausbildung von der Akademie für Datenverarbeitung an der Gottlieb-Daimler-Schule 2 über den Bachelor bis hin zum Master und zur Promotion möglich. So können hier im Landkreis hoch qualifizierte Fachkräfte wissenschaftlich ausgebildet werden.

Wie sieht es aus bei der Unterstützung durch die Unternehmen. Das HHZ setzt besonders auf Wirtschaftskontakte. Haben Sie den Eindruck, dass das HHZ auch für die Unternehmen der Region ein Mehrwert ist?
Roland Bernhard:
Das HHZ stellt für die Unternehmen einen Mehrwert dar. Der Landkreis Böblingen ist ein starker, sehr innovativer IT-Standort dank hochqualifizierter Fachkräfte. Diese sind der Schlüssel für die Innovationskraft. Das HHZ spielt eine wichtige Rolle bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Das Markenzeichen des HHZ ist der hohe Praxisbezug, von dem als Synergieeffekt sowohl die Studierenden als auch die Firmen profitieren. Den zahlreichen Unternehmen vor Ort verschaffen wir mit dem HHZ Zugang zu hochqualifizierten Fachkräften. Die Ansiedlung und Förderung der Hochschule ist somit direkte Wirtschaftsförderung.

Politik dient letztlich dem Bürger. Was haben die Menschen im Landkreis und der Stadt Böblingen vom HHZ. Nicht jeder ihrer Bürger will oder hat ja studiert, möchte Forscher werden.
Roland Bernhard:
Für über 400.000 Menschen ist der Landkreis Böblingen die Heimat, in der sie in Frieden und Wohlstand leben. Neben Freizeitangeboten und wunderschönen Naturlandschaften ist die Attraktivität eng mit der starken Wirtschaftskraft verknüpft. Wir wollen auch weiterhin attraktiv sein für die Bürgerinnen und Bürger, die bereits hier leben und auch für die Menschen, die überlegen, wegen einer Arbeitsstelle hierherzuziehen. Dass wir mit dem HHZ Hochschulstandort sind, ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, um unsere starke Wirtschaftskraft zu erhalten. Somit profitieren alle Bürgerinnen und Bürger vom HHZ.

Noch ein Blick in die Zukunft. Beim Start wünschten sie sich einen Master und Bachelor Studiengang und 500 Studierende am Standort. Inzwischen gibt es einen Bachelor und mehrere Masterangebote. Die Zahl der Studierenden beläuft sich aktuell rund 300 Studierende. Wie sollte das HHZ in 10 Jahren aus Ihrer Sicht aufgestellt sein?
Roland Bernhard:
Ich wünsche dem HHZ weiterhin so einen grandiosen Erfolg. Aktuell gibt es einen noch nie dagewesenen Rekord bei den aktuellen Erstsemesterzahlen mit 60 Startern im Master und knapp 50 Erstsemestern im Bachelor. Das HHZ wächst trotz Rezession und demografischer Veränderung. Andere Hochschulen schrumpfen, das HHZ wächst. Im Moment sind es 300 Studierende und 30 Doktoranden bei 9 Professoren. Meine Vision ist der Ausbau auf mittelfristig 500+ und langfristig auf 1000+ Studierende. Dies kann vor allem durch den Ausbau des Bachelorprogramms und neue internationale Programme erreicht werden.

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Thekla Walker für weiteren HHZ Ausbau: „Digitalisierung ist das große Transformationsthema der Zukunft“

Erste Zwischenbilanz nach Start des Bachelors Digital Business am Herman Hollerith Zentrum in Böblingen / Nachfrage nach Studienplätzen größer als das Angebot / Rahmenbedingungen in excellent

BildDer erste Bachelor-Studiengang am Herman Hollerith Zentrum (HHZ) in Böblingen ist sehr erfolgreich gestartet. Das wurde am Montag bei der ersten Zwischenbilanz deutlich. Für die 20 Studienplätze, so der Leiter des Herman Hollerith Zentrums, Prof. Dr. Alexander Rossmann, hätten sich 164 Personen beworben. Angesicht der sehr hohen Bewerberzahlen habe man sich dann entschieden, mehr Bewerber zuzulassen. Im Wintersemester 2021/2022 haben dann 30 Studierende das Bachelorstudium an dem Lehr- und Forschungszentrum der Fakultät Informatik der Hochschule Reutlingen aufgenommen.
Erfreut über den sehr positiven Start zeigten sich bei der Zwischenbilanz auch der Landrat des Landkreises Böblingen, Roland Bernhard, Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz sowie die Umweltministerin des Landes Baden-Württemberg, Thekla Walker, die das HHZ schon seit Jahren auf Landesebene unterstützt. Der Bachelor Digital Business war im Oktober gestartet und ist der erste Bachelorstudiengang am HHZ. Mit ihm wurde der entscheidende Schritt vollzogen, um durch die Hochschule Reutlingen ein durchgehendes Angebot vom Bachelor bis hin zur Promotion in Böblingen zu realisieren.
Die hohen Bewerberzahlen, so Ministerin Thekla Walker bei der Zwischenbilanz, zeigten deutlich, wie richtig und notwendig die Entscheidung gewesen sei, das HHZ weiter auszubauen und einen Bachelorstudiengang zu etablieren. „Die Digitalisierung ist wie der Klimaschutz das große Transformationsthema der Zukunft. Es gibt nicht viele Hochschulstandorte, die über ein so großes Potential in der Region verfügen wie Böblingen. 20 Studierende sind wenige, aber wir wussten das wir erst einen Einstieg finden mussten und zeigen, dass es läuft“, so die Ministerin zu ihrem Engagement für den Studiengang.
Wie erfolgreich das HHZ in seiner nunmehr knapp 10-jährigen Geschichte ist, erklärte bei der Zwischenbilanz Prof. Dr. Christian Decker, der als Studiendekan für die Lehre verantwortlich ist. Das Konzept des HHZ setzte in allen Bereichen, angefangen vom neuen Bachelor- über das Master- bis hin zum Promotionsprogramm auf einen sehr hohen Praxisbezug. „Der Standort Böblingen bietet uns viele Vorteile. Es gibt im IT Bereich eine extrem breite Basis, die vom Startup bis hin zum Weltkonzern reicht. Dazu eine wissenschaftsfreundliche Stadt, die vieles leichter macht.“ Der Standort, so Decker weiter, mache es besonders einfach, Unternehmen und die Praxis in die Lehre und Forschung einzubinden. Eine Einschätzung die auch die Studierenden bei der Zwischenbilanz am HHZ teilten. Lob fand vor allem, dass die Praxis von Anfang an ins Studium integriert ist. „Meine Eltern haben einen Handwerksbetrieb. Ich finde es richtig gut, dass Entrepreneurship schon im ersten Semester Teil des Unterrichts ist. Ich kann so sehen, wie wir unseren Betrieb zuhause digital optimieren könnten,“ so Lennart Paul, Student des neuen Bachelor Digital Business.
Und genau diese positiven Effekte in die Region hinein sind es, die Stadt und Landkreis bewogen haben, das HHZ zu gründen und es jetzt auch weiter auf über 500 Studierende auszubauen, so Landrat Roland Bernhard. „Unser Ziel ist 500 plus. Das ist sicher ein ehrgeiziges, aber gutes Ziel. Die 4, 8 Millionen Euro, die Stadt und Landkreis Böblingen hier investieren, sind gut investiertes Geld in die Zukunft. Auch darüber hinaus arbeiten der Landkreis und das Herman Hollerith Zentrum gemeinsam an einigen Projekten, unter anderem beim Zentrum für Digitalisierung der Region Stuttgart, das kleine und mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt.“
Dr. Stefan Belz, Oberbürgermeisters der Stadt Böblingen, bekräftigt: „Seit dem Start von IBM und Hewlett Packard in Böblingen in den 1950-er Jahren haben wir in unserer Stadt eine rasante Entwicklung in den Bereichen Informatik und aktuell auch bei Künstlicher Intelligenz erlebt, die wir weiter fördern und ausbauen wollen. Hier sind wir mit dem Herman Hollerith Zentrum, dem Zentrum für Digitalisierung Böblingen oder auch dem Softwarezentrum Sindelfingen/Böblingen richtig gut aufgestellt. Ein großes Dankeschön geht ausdrücklich an unsere Landtagsabgeordnete und Ministerin Thekla Walker für ihr Engagement auf Landesebene. Ich freue mich sehr, dass wir als Stadt zusammen mit dem Landkreis das HHZ in Böblingen weiter stärken und uns somit als Hochschulstandort weiter etablieren.“
Dass die Informatik auch am Hermann Hollerith Zentrum weit in fast alle gesellschaftlichen Bereiche hineinreicht, die zunächst nicht immer mit IT verbunden werden, machte Prof. Dr. Dieter Hertweck deutlich. So sei das HHZ am Forschungsprojekt „Parkli“, der partizipativen Klimaforschung beteiligt. Hier werde erforscht, welche lokalen Maßnahmen zur Klimaanpassung sich durch Teilhabe der Bürger erreichen lassen. Dabei könnten Informatiker die entsprechenden Daten zum lokalen Handeln liefern. Ein anderes Beispiel sei das Projekt „Ökotrans“ in dem die Informatiker erforschen, wie sich Hürden abbauen lassen, damit Bio-Lebensmittel auch in Großkantinen einfach und in ausreichender Menge verwendet werden können.

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