BITEI 2026 – 14. Theaterfestival in Chisinau, Republik Moldau
Posted by PM-Ersteller - 29/05/26 at 10:05:53 a.m.11 Tage, eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen und Workshops in Zusammenarbeit von Theater und Kulturministerium (von Dieter Topp)
Seit 14 Ausgaben schafft BITEI in der Republik Moldau einen realen Raum für zeitgenössische Kunst, in dem Ideen frei zirkulieren und die Bühne zu einem Ort der Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen, Generationen und Perspektiven wird.
Dieses vom Theater „Eugène Ionesco“ ins Leben gerufene Festival hat sich zu einem bemerkenswerten Ort des Dialogs und kulturellen Austauschs entwickelt, zu einem Ort wahrer künstlerischer Lebendigkeit und der Suche nach Antworten auf die komplexen Probleme der Welt durch die Kunst.
Bereits die Eröffnungsvorstellung des 14. Internationalen Festivals der Darstellenden Künste, „Uciderea lui Gonzago“, ein Stück des bulgarischen Autors Nedyalko Iordanov, erwies sich als Feuerwerk der Regie von Petru Vutcarau, beeindruckte durch seine aktuelle Botschaft, durch die Inszenierung und das Talent der Ionesco-Truppe.
BITEI dauert insgesamt 11 Tage, beinhaltet eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen und Workshops. Der Schwerpunkt 2026 lag auf der 30-jährigen Zusammenarbeit des Theaters „Eugène Ionesco“ mit zahlreichen japanischen Ensembles und insbesondere mit dem KAZE-Theater aus Tokio.
Eine kleine Auswahl von Stücken, die ich während meines kurzen Besuchs anschauen konnte, sollen hier weiter benannt werden:
Ionesco, Meister des absurden Theaters, traf auf seine ebenbürtige Gegnerin
Das Voskresinnia Akademische Theater aus Lemberg, Ukraine, rockte – im wahrsten Sinne des Wortes – das BITEI-Festival. Mit Klarheit und vor allem Lautstärke deuteten deren ukrainische Folk-Punk-Rocker an, was später bis zum Äußersten des Absurden getrieben wurde.
Ein junges, sehr naives Mädchen, nimmt Privatunterricht bei einem älteren Professor. Sprache dient als Machtinstrument, um sich die Vorherrschaft über diejenigen zu sichern, die mit der Terminologie und dem Fachjargon nicht vertraut sind. Macht verleiht auch seksuelle Überlegenheit, und der Professor nutzt diesen Vorteil gnadenlos aus.
Drei Dienstmädchen assistieren einem verrückten Professor, bis schließlich, nach dem Tod der Studentin, das Ganze von vorne begann.
Ein absurdes Stück von Ionesco im gleichnamigen Theater, brillant inszeniert von Alla Fedoryshyna, das in der ukrainischen Sprache seinen perfekten Ausdruck fand. Ein echtes BITEI-Highlight!
David Mamet „EDMOND (Nocturnal Performance)“ am Eugène Ionesco National Theater
(Regie: Nicolae Neghin und Bogdan Bitlan, Bühnenkamera: Ion Rotaru, Sound Design: Cristian Patras, Iuliana Vornicescu Cotrobai)
Eine intensive, theatralische Reise in die Abgründe der menschlichen Existenz. Im Zentrum Edmond, ein Mann, der die Sinnleere seines bisherigen Lebens erkennt und nach einer scheinbar beiläufigen Begegnung aus seiner vertrauten Realität ausbricht. Was folgt ist ein schonungsloser nächtlicher Abstieg durch die Schattenseiten der Gesellschaft und seines eigenen Bewusstseins. Auf seinem Weg begegnete Edmond Figuren von Zynismus, Gewalt und innerer Leere geprägt.
Die Inszenierung entwarf dabei kein fremdes Universum, sondern eine radikal verdichtete Version unserer eigenen Wirklichkeit, eine Welt, in der Wut, Entfremdung und das verzweifelte Bedürfnis nach Wahrnehmung zur universellen Sprache geworden sind. Die eigentliche Konfrontation fand jedoch im Inneren des Protagonisten statt.
Die Aufführung verband dramatische Intensität mit atmosphärischer Musik, kraftvoller Bildsprache und philosophischer Tiefenschärfe. Sie eröffnete einen reflektierten Blick auf Angst, Identität, persönliche Traumata und die Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz:
EDMOND, ein verstörendes und zugleich fesselndes Theatererlebnis, das – auch und besonders durch die ausgezeichneten Darsteller dieses Theaters- die Zuschauer weit über den Moment des letzten Vorhangs hinaus begleitete.
Takuya Taniguchi – DER TAIKOIST verzauberte das Publikum
„Als einziger Taiko-Solist Europas erschafft Takuya Taniguchi eine eindrucksvolle musikalische Reise, die tiefe Emotionen und Ehrfurcht hervorruft. Seine Darbietung reflektiert die Erde und den Geist von Fukui in Japan – jenem Ort, an dem seine künstlerischen Wurzeln verankert sind. Durch die Verbindung der kraftvollen Tradition des Taiko-Trommelns mit der einzigartigen künstlerischen Vision eines in München lebenden Solisten schlägt Takuya eine Brücke zwischen japanischem Kulturerbe und zeitgenössischer europäischer Sensibilität“, so hieß es in der Ankündigung.
Der Meister betrat die Bühne, stimmte das Publikum verbal auf sich ein, und dann nahm der Abend seinen Lauf:
Mit einer meisterhaft theatralischen Inszenierung verband Takuya Rhythmen von sanfter Feinheit bis hin zu voller Kraft und entfaltete dabei eine emotionale Intensität, die restlos alle erfasste.
Eine spirituelle, emotionale Erfahrung, die kulturelle Grenzen überwindet.
Am Tag der japanischen Aufführungen des BITEI Festivals begeisterte Takuya das Publikum nachhaltig und hinterließ mit seiner kraftvollen, nahezu orgiastischen Performance einen bleibenden Eindruck.
Bereits 2012 erhielten das BITEI Festival und sein Leiter Vutcarau den KulturPreis Europa des Kulturforum Europa für die Verdienste als Mittler zwischen Ost und West in Sachen Kultur. Die Welt hat sich geändert und bei der 14. Festival Ausgabe sind 2026 die Verdienste des Festivals und seines Leiters immer noch evident.
Heute zeigt sich die Bedeutung des Preisträgers und seines Festivals als Botschafter der Republik Moldau für Japan, Korea und vor allen Dingen Europa auf Kulturebene.
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Shakespeare – Festival in Chisinau – Ein Sommernachtstraum
Posted by PM-Ersteller - 22/10/25 at 10:10:59 a.m.Zum ersten Mal startete im Herbst 2025 das Shakespeare-Festival des „Theater Ohne Namen“ in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau.
Unter dem Slogan „Shakespeare United“ gaben sich Theatertruppen aus Italien, Rumänien, dem Vereinigten Königreich, Spanien und der Republik Moldau ein Stelldichein. (von Dieter Topp)
Ein Sommernachtstraum zum Auftakt
Die Schar, teils sehr junger Schauspieler des Teatrul Fara Nume (Chisinau), unter der erfahrenen, temporeichen, äußerst präzisen, punktgenauen Regie von Mihai Mihai Tarna schaffte es, auf einer minimalistischen Bühne mit gekonntem Lichteinsatz sowie einem starken Sound das Publikum restlos zu begeistern. 145 Minuten vergingen wie im Fluge. Es war ein Lust, dem Können und der Spielfreude der Akteure zuzuschauen. Das Publikum schien „verzaubert“ von diesem Auftakt des Festivals.
Ein Festmal: Theaterstück in einem Kochkurs @ parrabbola/UK
Die in London lebende rumänische Schauspielerin und Dramatikerin Olivia Negrean brachte sechs der wichtigsten Frauenfiguren Shakespeares in der Regie von Philip Parr zusammen. „Emilia bringt den Wein, Ophelia hilft beim Salat, Lady Macbeth kümmert sich um die Suppe, Imogen steht am Grill, während Lady Anne und Isabella beide das Dessert mitgebracht haben. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte zu erzählen und ihre eigene Sicht auf die Geschichten ihrer Mitstreiterinnen.“
Eine schöne Vorstellung, die 90 Minuten dauerte und anschließend Zeit für Gespräche und Essen bot.
Richard III.
Beim Gastspiel des Teatrul de Nord Satu Mare, Rumänien, wurden wir in der Regie von Istvan Albu Zeugen des Aufstiegs und Falls eines beispiellosen Tyrannen, dessen verzerrte Gestalt ein ganzes Jahrhundert englischer Geschichte überschattete.
Mit Shakespeares kreativem Genie explodierte diese Inszenierung in Sachen Mechanismen von Macht und Tyrannei, die ewige Dialektik von Grausamkeit und menschlicher Verletzlichkeit – aktueller denn je!
Richard III wurde zu einem gefeierten Helden, zu einer Person, die viele selbst gerne wären: ein Rockstar! Die in die dramatische Handlung integrierte Live-Musik bot dem Publikum ein einzigartiges und authentisches Theater-Konzert-Erlebnis. Damit wurde der Bandleader zum vokalen Alter Ego des blutrünstigen Königs Richard III.
„Und mit The Doors war der psychedelische Effekt des Stücks garantiert.“
Hamlet Mortuus Est
das neueste Projekt der unabhängigen ARTE FACTUM COMPANY aus Timisoara, Rumänien, um Mona Donici (Text) und Levente Kocsardi (Konzept/Regie) hatte sich an eine neue Shakespeare-Inszenierung gewagt.
Nachdem die Interpretationen von „One Man/One Woman“ weltweit für Begeisterungsstürme gesorgt hatten, präsentiert das bewährte Team mit „Hamlet Mortuus Est“ auf diesem Festival etwas völlig Neues.
Nach dem Betreten des Auditoriums wurden die Zuschauer in eine unterirdische Tiefe geführt (minimalistisches Bühnenbild von Mihai Donici). Hier begegneten wir bereits dem Protagonisten in Gestalt von Levente Kocsardi auf einer Suche.
Er wanderte durch die Dunkelheit, tastete umher, ohne etwas Bestimmtes zu erkennen. Sein exzentrisches Auftreten, geprägt von Fragmenten seiner Erfahrungen, setzte sich in der folgenden Vorstellung fort, als er als Totengräber die Überreste historischer Persönlichkeiten durchsuchte und erkannte, dass ein Wurm sich durch die Überreste jedes Menschen fressen kann, egal ob gut, böse, ehrlich oder diktatorisch. Was bleibt, ist der Dreck, eine lehmige Erde, mit der die späteren (Un-)Toten versuchen, die Löcher in ihren Körpern zu füllen. Ohne Erfolg.
Kocsardi schlüpfte in die Rollen derer, die ihn geprägt haben. Diktatoren der Vergangenheit und Gegenwart, Alexander der Große oder Hitler lagen in ihren Gräbern, während Diktatoren wie Kim Jong Un, Erdogan, Orban, Lukaschenko, Putin … als warnende Beispiele an die Wände projiziert wurden.
Das Video-Mapping von Sebastian Hamburger/Sorin Mocan schien Schauspieler und Zuschauer in die Krümmung des Raumes einzuschließen und sie in der Handlung zu vereinen: ein zeitgenössischer Hamlet, der von der Unverschämtheit der Beamten sprach.Die vielschichtige Verflechtung von Donicis Text und Kocsardis Performance/Konzept war ebenso faszinierend und zog das Publikum inspirierend in die Handlung hinein. Sergiu Catana webte mit Live-Sound und Musik einen Teppich aus Geräuschen und füllte das Stück mit Raum und Zeit.
imPerfect Tänzer-Ensemble: Hamlet aus Italien
Die Protagonistin, eine psychisch labile junge Frau, identifizierte sich mit ihrer Namensvetterin, der Ophelia von Shakespeare. Beim Lesen von Hamlet versuchte sie zu verstehen, was mit ihr geschehen war. Die Worte nahmen Gestalt an, die Figuren wurden lebendig, und durch die von Shakespeare erzählte Geschichte erlebte Ophelia die dramatischen Ereignisse ihres eigenen Lebens noch einmal.
Hamlet, ein Drama über Leben und Tod und über die zweideutigen Beziehungen zwischen den Menschen, das dem Publikum eine Reise durch die dunkelsten Gassen der menschlichen Seele bot.
Das Publikum des Shakespeare Festivals in Chisinau war von der italienischen Tanzgruppe imPerfect Dancers rasend beeindruckt. Ina Broeckx und Walter Matteini hatten HAMLET mit einer frischen, neuen Truppe von talentierten Tänzern choreografiert. Besonders die männlichen Tänzer konnten ihre Talente zum Ausdruck bringen, alles in allem ein Paket voller Emotionen.
Das Teatro Clasico de Sevilla kehrte mit „Macbeth“, unter der Regie von Alfonso Zurro ins Programm ein. Alfonso Zurro erklärte, dass das Stück, „das so mittelalterlich und gleichzeitig so zeitgemäß ist, bei den Zuschauern die beunruhigendsten Ängste hervorruft. Die Grundlage der Geschichte ist bekannt. Einige Hexen prophezeien Macbeth, dass er König werden wird, und lösen sich in Luft auf. Von diesem Ereignis an wird der Protagonist von seiner Fantasie und seinen Wahnvorstellungen getrieben, die, passend angeheizt von seiner Lady Macbeth, das Ehepaar ins Herz der Finsternis stürzen. Sie ziehen uns mit sich in den Abgrund einer blutigen Reise“. Macbeth litt während des gesamten Stücks unter Halluzinationen, die nur er sah. Fantasien, Phantasmagorien, Träume, die ihn mit Sorgen und Ängsten aller Art umgaben und ihn dazu trieben, zwanghaft alles zu zerstören: das Leben, die etablierte Ordnung, das Königreich und sogar die Zeit.
In „Desdemonas Taschentuch“ nach einer Idee von Paula Vogel sagten Desdemona, Emilia und Bianca die Wahrheit – mit Emotionen, Kraft und Mut.
Ein Stück unter der Regie von Anca Sigartau. Eine mutige, vor allem aber drastisch laute Neuinterpretation von Shakespeares Tragödie „Othello“, aufgeführt vom Shakespeare Imaginarium, Bukarest.
Zwei Theaterakademien im Festival
Iwano-Frankiwsk ist eine der kleinsten Gebietshauptstädte der Ukraine – die Einwohnerzahl beträgt etwa 230.000 Menschen. Sie liegt im Karpatenvorland, das Teil der historischen Landschaft Galizien ist.
Unter dem Slogan „Vereint durch Shakespeare“ hatte das Meldauer Festival vom Ivan Franko Drama Theater Studenten des 2./3. Ausbildungsjahres eingeladen. Die jungen, engagierten, frischen Akteure waren sehr überzeugend in ihrer „Verabredung mit William“.
Diese überschäumende Kraft, dieser starke Wille, dem russischen Überfall auf ihr Heimatland, Zerstörung und Kriegsverbrechen, etwas Positives, etwas Menschliches entgegenzusetzen.
Der Gedanke, dass diese jungen Menschen wieder zurück in ein Kriegsgebiet und auch vielleicht an der Front ihr Land verteidigen müssen, ergriff die Zuschauer emotional, der verdiente Applaus wollte nicht enden.
Das Labor „SHAKESPEARE UND DIE MASKE“ – eine Veranstaltung, die von den Studierenden des dritten Studienjahres, ATC, Klasse von Mihai Tarna, unter der Leitung von Mihai Fusu durchgeführt wurde.
Ziel dieses speziellen Labors war es, den Stil der Commedia dell’arte zu erforschen und die Vielfalt der Figuren aus Shakespeares Universum zu entdecken. Durch praktische Übungen, Improvisation und szenische Erkundungen lernten die Studierenden, mit Masken zu arbeiten, ihre Ausdruckskraft zu entwickeln und komische und dramatische Typen zum Leben zu erwecken: eine Einladung an die Besucher, in die studentische Forschungswelt einzutauchen und gemeinsam mit ihnen die Verwandlung zu entdecken, durch die Masken Emotionen offenbaren und Shakespeares Worte sich mit der Energie des Schauspiels vermischen.
Es war ein Fest der universellen Kultur, eine Einladung, zu entdecken, wie Shakespeare unabhängig von Sprache oder Tradition aktuell und bewegend geblieben ist. SHAKESPEARE NOW – denn sein Theater spricht immer in der Gegenwart.
Und zum krönenden Abschluss ein weiterer „Hamlet“, diesmal in der Regie von Declan Donnellan, Nationaltheater „Marin Sorescu“, Craiova, RO
„Manchmal tun wir sinnlose Dinge, wirklich schreckliche Dinge, ohne ersichtlichen Grund oder Nutzen. Und wir laufen verzweifelt herum und fragen: „Warum?! Warum?!“ Der Mensch ist das einzige Tier, das irrational grausam sein kann, das spektakuläre Gewalttaten sowohl an sich selbst als auch an anderen Menschen begehen kann.
Vielleicht hängt dies damit zusammen, dass der Mensch das einzige Wesen ist, das seine eigene Existenz hinterfragen kann. Manchmal tun Menschen wunderbare oder schreckliche Dinge, nur um zu beweisen, dass wir existieren.
Hamlets Dilemma verkörpert diesen Kampf. Aber nicht direkt, sondern rätselhaft, wie ein Geist in den dunklen Gängen von Elsinore.“ (Declan Donnellan, künstlerischer Leiter, über Hamlet)
Oder „unübertrefflich feinfühlig und doch gleichzeitig entschlossen“, wie es der ehemalige russische Starkritiker Roman Doljanskiy, der mittlerweile wie ein getriebener Geist durch Europa umherirrt dieses Stück beschrieb.
Fragen stellten sich, Antworten blieben offen, so sollte es bei einem Shakespeare Festival sein. Glückwunsch an die Veranstalter, Teatrul Fara Nume unter Leitung von Nicu Tarna und seinem gesamten Team.
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Die Republik Moldau – tief im Osten Europa so nah?
Posted by PM-Ersteller - 04/06/24 at 06:06:56 a.m.Moldova zeichnet sich aus durch eine komplexe Dynamik politischer Richtungskonflikte. Den daraus resultierenden gesellschaftlichen Fliehkräften geht dieser aktuelle Reisebericht unter anderem nach.
Die Republik Moldau, auch als Moldawien oder Moldova bekannt, stand im Westen seit dem Ende der Sowjetunion lange nicht im öffentlichen politischen oder kulturellen Fokus. Ins Rampenlicht geriet die Republik erst wieder durch den Überfall Russlands auf die Ukraine. Plötzlich wurde der winzige Staat, geographisch eingeklemmt zwischen der Ukraine und Rumänien, zu einem viel beachteten Hotspot des Konflikts. Und auch ein dreißig Jahre alter „frozen conflict“ mit dem abgespaltenen Transnistrien erhielt neue Aufmerksamkeit.
Transnistrien bringt bis heute seine Nähe und Solidarität zu Russland nicht zuletzt mit der Weiterführung der Flagge der früheren moldauischen sozialistischen Sowjetrepublik zum Ausdruck. Gleichzeitig nähert sich die Republik Moldau spätestens seit der Wahl der derzeitigen Präsidentin Maia Sandu mit großen Schritten der Europäischen Union an. Die Gemengelage wird verkompliziert durch eine zweite autonome Republik auf moldauischen Staatsgebiet: die Autonome Republik Gagausien. Deren Beharren auf Unabhängigkeit speist sich weniger durch einen politischen Richtungskonflikt, denn aus dem ethnischen Selbstbewusstsein der turkstämmigen Gagausen mit ihren eigenen Sprache und Kultur.
Diese geographischen und politischen Besonderheiten waren immer schon speziell, haben aber seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine noch einmal an Schärfe gewonnen. Zum einen sind Millionen ukrainischer Flüchtlinge durch das Land Richtung Westeuropa geströmt. Zum anderen bildet Moldova aufgrund seiner geographischen Lage ein gefährliches mögliches Einfallstor für weitere russische Eroberungen.
Katharina Füllenbach hat das Land in diesen unübersichtlichen Zeiten insgesamt sieben Wochen lang bereist. Sie beschreibt in ihrem Buch die verschiedenen Interessen, Strömungen und Zielsetzungen, welche zusammengenommen das Bild einer eher auseinanderdriftenden Nation ergeben. Ein besonderer Fokus ihrer Beobachtungen liegt dabei auf den Erinnerungskulturen im öffentlichen Raum, die sich je nach Region stark unterscheiden. Ihr Reisebericht liefert viele persönlichen Eindrücke, berichtet von konkreten Erfahrungen und Begegnungen und gibt Hintergrundinformationen zu Land, Menschen und Geschichte. Sie vermeidet, wie auch schon in ihren früheren Reisebüchern, jegliche Bewertung. Vielmehr nimmt sie ihr Publikum mit auf eine Lesereise und gibt ihm Gelegenheit sich selbst eine Vorstellung von einem Land zu machen, welches, trotz vieler interessanter Aspekte, bisher als touristische Destination kaum je in Erscheinung getreten ist.
Moldova – Notizen zu einer Reise im Winter 2024, Hamburg 2024,184 Seiten, 20 Photos s/w, 10 Photos farbig. ISBN: 978-3-384-19947-8. Als Print und E-Book im Handel
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REISEPOSTILLEN ist eine Buchreihe, die von der Autorin Katharina Füllenbach herausgegeben wird. Bisher sind als Print und E-Book Reiseberichte zu ihren ausgedehnten Unternehmungen als alleinreisende Frau in den Ländern IRAN (2016), TOGO 2016), OSTTÜRKEI (2016), die KRIM (2016), KIRGISTAN (2017), RUSSLAND (2018), UGANDA (2018), , KATAR (2019), USBEKISTAN (2019), FINNLAND (2020), ERITREA (2020), DUBAI (2022) und RUANDA (2022) erschienen.
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