Der „Berliner Spielplan Audiodeskription“ wird fortgeführt!

Ein Sieg der blinden Theaterbesucher!

Dieser wiegt umso schwerer angesichts der Ergebnisse des aktuellen Berliner Sparhammers der CDU und SPD geführte Landesregierung in der Kulturpolitik.
Nach langem Kampf wird in Berlin das Projekt für blinde Theatergänger verlängert. Seit 2019 gibt es in Berlin für blinde und seheingeschränkte Theater- und Opernbesucher die Möglichkeit Bühnenaufführungen mit Audiodeskription/ AD zu besuchen. Hier werden die Aufführungen von geschulten Autoren und Sprechern mit akustischer Bildbeschreibung erlebbar gemacht. Im Vorfeld gibt es Tastführungen auf der Bühne. Live gesprochene Einführungen in die Stücke können über Kopfhörer empfangen werden und informieren über das Bühnenbild, die die Requisititen, das Aussehen der Darsteller und die Kostüme. Während der Stücke bekommen die blinden Besucher einen genauen und detaillierten Einblick in das Geschehen auf der Bühne, denn die einzelnen Bewegungen, Gesten und das Spiel der Schauspieler wird genau via Kopfhörer erzählt. So wie bei Filmen mit AD. Aber eben live und hautnah dran am Geschehen!

Für dieses Projekt gab es keine Finanzierung über das Jahr 2024 hinaus. Nach monatelangen Protesten und Hunderten Beschwerden von blinden und sehbehinderten Menschen – inklusive sehenden Unterstützern, unter anderem vielen Künstlern – hat nun die CDU-Kulturverwaltung Geld locker gemacht, damit das Projekt bis Ende Dezember 2025 weiter geführt werden kann.
Es nützt also doch etwas, wenn man sich organisiert und sich mit großer Anzahl gegen schlechte Entscheidungen der Politik zur Wehr setzt!

Die Kulturpolitiker von Berlin sollten mal eine Aufführung mit AD beiwohnen, damit sie von ihrer Ahnungslosigkeit befreit werden und sich so neues gutes Wissen aneignen.

Die Politik redet ja immer gerne von Inklusion, Integration, Teilhaben und Barrierefreiheit im Zusammenhang mit behinderten Menschen. Dazu hat sie auch Gesetze erlassen. Doch hier hätten die Berliner CDU und ihr Kultursenator fast alle ihre Gesetze selbst verletzt und missachtet. Gott sei Dank sind sie rechtzeitig aufgewacht, haben ihren Fehler eingesehen und das Projekt verlängert.

Doch wir lassen nicht locker. Denn es fehlt noch der nächste Schritt.
Liebe Landesregierung! Stellen Sie das Projekt als Haushaltstitel in den kommenden Landeshaushalt ein!

Kulturelle Inklusion von blinden und seheingeschränkten Menschen ist ein Menschen-Grundrecht, das nicht aus kapitalistischen Spargründen abschafft werden darf. Machen sie kulturelle Inklusion zum Standard-Programm der Berliner Kultur!
Dieses Projekt ist einzigartig in Deutschland und ein Vorzeigeprojekt. Es gehört exportiert und nicht abgeschafft.
Bericht: Hans Peter Sperber

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Berliner Spielplan Audiodeskription vergibt seinen Publikumspreis für das beste Audiodeskriptions-Stück

Bühnenaufführungen für die Ohren

Berlin, 30. Mai 2024
Seit 2019 gibt es in Berlin Theateraufführungen mit Audiodeskription. Diese werden vom „Berliner Spielplan Audiodeskription“ in Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Bühnen organisiert. Der Träger hinter dem Projekt ist Förderband e.V. Eine tolle Sache für blinde und sehbehinderte Menschen. Denn ohne AD wäre ein Theater-, Opern-, oder Showbesuch reizlos und Geldverschwendung.
Hinter diesen AD-Aufführungen stehen die Redakteure, Scriptschreiber, Sprecher und die Organisatoren an den jeweiligen Theatern und beim Spielplan. Das ist schon sehr viel Arbeit, bis so ein AD-Stück vor Publikum gezeigt werden kann.

Nun hat der Spielplan seinen Publikumspreis der letzten zwei Spielzeiten verliehen.
Die Preisverleihung fand im Deutschen Theater statt, einer der Spielstätten für AD-Aufführungen. Die Besucher konnten in einem Voting ihr Lieblingsstück wählen und das Theaterstück mit den meisten Stimmen wurde prämiert.
Die Oper „Aida“ an der Deutschen Oper erhielt diesen Preis. Es ist eine Inszenierung von Benedikt von Peter. Den Preis in Form einer Urkunde und der Geldprämie von 500 Euro nahm die Marketingdirektorin der Deutschen Oper, Marion Mair entgegen. Als zuständige AD-Autorinnen wurden Charlotte Miggel und Jutta Polic ausgezeichnet.
Der Gewinn wird in eine weitere AD-Produktion gesteckt, zum Wohle von blinden Opernbesuchern.

An diesem Projekt sind folgende Theater beteiligt: Deutsche Oper, Deutsches Theater, Berliner Ensemble, Friedrichstadt-Palast, Volksbühne, Schaubühne und das Kinder- und Jugendtheater „Theater an der Parkaue“. Aus jedem dieser Häuser war ein Stück durch den blinden Theaterbeirat und die Organisatoren ausgewählt worden. Aus dieser Liste konnten die Besucher ihren Preisträger wählen.

Doch wie lange gibt es das AD-Theater in Berlin noch?
Die Berliner Kulturverwaltung hat bisher die Finanzierung bis Ende 2024 zugesagt.
Wie geht es dann weiter? Die Landesregierung muss weiterhin aktiv werden!
Bericht: Hans Peter Sperber

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Berliner Spielplan Audiodeskription diskutiert mit der Politik über blindengerechte Theateraufführungen

Die berliner Politik in der Pflicht

Berlin, 29. Mai 2024
Die Organisatoren des AD-Spielplans luden zu einer Podiumsdiskussion über barrierefreies Theater, speziell für blinde und sehbehinderte Menschen. Ein Projekt, das es in der Hauptstadt seit 2019 gibt.
Diese Diskussion mit Politiker der Landesregierung wurde im Roten Salon der Volksbühne abgehalten.
Aber wie lange wird es Theater mit Audiodeskription in Berlin noch geben?

Bisher hat die Lotterie-Stiftung Berlin das AD-Projekt finanziert. Doch die Förderung ist zum 31. Mai 2024 ausgelaufen.
Gott sei Dank hat sich die CDU-geführte Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt bereit erklärt, dass Projekt nun bis Ende 2024 aus Mitteln der Projektförderung fortzuführen. Doch was wird 2025 und danach?
Darum ging es in der Diskussion. Neben den Diskutanten auf der Bühne waren Betroffene von den Blindenvereinen ABSV und Pro Retina vor Ort. Die Zuhörer konnten in zwei Runden Fragen stellen.

Moderation: Lavinia Knop-Walling und Projektleiterin Imke Baumann
Gäste:
Peer Mock-Stümer (Vorsitzender des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus, CDU)
Melanie Kühnemann-Grunow (Sprecherin für Kultur der SPD Fraktion)
Daniel Wesener (Sprecher für Kulturfinanzierung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen)
Christina Schulz (Intendantin des Theaters an der Parkaue)
Dr. Bernd Schmidt (Intendant des Friedrichstadt-Palastes)
Thomas Fehrle (Geschäftsführender Direktor der Deutschen Oper Berlin)
Joachim Günzel (Vorsitzender des ABSV)

Es wurde gut diskutiert. Die anwesenden Politiker erhielten einen guten Einblick über die Theaterbesuche von blinden Menschen. Sie zeigten sich sehr interessiert und willig, dieses Projekt weiterführen zu wollen und sogar permanent zu verstetigen. Anscheinend haben sie die Problematik begriffen und denken lösungsorientiert – besonders die aktuell in Berlin regierenden Landespolitiker. Im gerade beschlossenen Haushalt ist jedoch beispielsweise kein Geld für Audiodeskription vorgesehen und solche Maßnahmen der kulturellen Teilhabe sind auch nicht einklagbar. Wie überhaupt die Existenz von Kulturangeboten nur eine freiwillige Leistung ist. Einwände aus dem Publikum, dass es die UN-Behindertenrechts-Konvention, das Landes-Behinderten-Gleichstellungsgesetz, Bundesteilhabegesetz und andere Diskriminierungsgesetze gibt und die Blinden auf dieser Grundlage ein Recht auf Teilhabe haben, wurden mit dem Hinweis verneint, das seien alles Gesetze ohne individuellen Rechtsanspruch. Sprich: Da steht nirgends drin, dass Blinde ein gesetzliches Recht auf Theaterbesuche mit Audiodeskription haben. Also sind das alles „schöne Gesetze fast ohne Wert“!

Die Politiker vermittelten den Eindruck, als ob sie das Anliegen verstanden haben und sich einigermaßen in blinde Theaterbesucher hinein versetzen können und ihre Politik vielleicht dahingehend ändern werden. Doch die blinden Besucher waren skeptisch. Erst wenn das Audiodeskriptions-Projekt zukünftig als stetiges Mittel in die Haushaltsplanungen einfließt und immer weiter geht, wird offenkundig, dass die Politik es verstanden hat. Sonst war es nur ein leuchtendes Strohfeuer. Die Landesregierung und die Kulturverwaltung müssen nun beweisen, dass ihnen blinde Menschen nicht egal sind, und sie mehr können als schöne Reden schwingen.
Bericht: Hans Peter Sperber

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