400.000 Partikel pro Quadratmeter: Wie Mikroplastik in Waldböden, Insekten und Meeresbewohnern akkumuliert
Posted by PM-Ersteller - 27/07/26 at 07:07:34 a.m.Bienen nutzen elektrische Felder zur Blütenwahl, Haie orten Beute über Bioelektrik. Ein Forschungsbericht zeigt, wie geladene Plastikpartikel diese Signale möglicherweise stören.
Wälder kommunizieren über unterirdische Netzwerke, Bienen navigieren mithilfe elektrischer Felder, und Haie orten ihre Beute anhand bioelektrischer Signale. Ein 2026 veröffentlichter Bericht des ALLATRA Global Research Center legt dar, wie elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel diese Signalwege möglicherweise beeinträchtigen. Die Risikoanalyse „Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment“, erarbeitet von sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Doktor John Ahn, Doktor Karolína Hronová und Doktor Anastasiya Pashigreva, wertet die verfügbare Forschungsliteratur zu den Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf Waldökosysteme, Insekten, Vögel und Meereslebewesen systematisch aus.
Warum Waldböden nach 70 Jahren bis zu 400.000 Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter enthalten könnten
Wälder galten lange als naturnahe Rückzugsräume. Der Bericht beschreibt jedoch, dass Baumkronen und Blätter Mikroplastik aus der Atmosphäre auffangen. Luftströmungen tragen die Partikel heran, und Niederschläge spülen sie in den Waldboden. Täglich könnten Dutzende Mikroplastikpartikel pro Flächeneinheit der Baumkrone abgelagert werden. Man stelle sich einen Fichtenwald vor, in dem jeder Quadratmeter Kronendach täglich winzige Plastikfragmente wie ein Filter einfängt, die dann mit dem Regen nach unten sickern.
Der Bericht verweist auf quantitative Schätzungen, wonach Waldböden über einen Zeitraum von etwa 70 Jahren durch atmosphärische Ablagerung rund 400.000 Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter ansammeln könnten. Im Unterschied zu organischen Bestandteilen werden Plastikpartikel nicht in natürliche Zersetzungskreisläufe eingebunden und könnten über lange Zeiträume im Ökosystem verbleiben.
Wie negativ geladene Nanopartikel in Pflanzenwurzeln eindringen, während positiv geladene an der Oberfläche haften
Die elektrostatischen Eigenschaften der Partikel spielen laut dem Bericht eine besondere Rolle für deren Wechselwirkung mit Pflanzen. Forschungsergebnisse zeigen, dass negativ geladene Polymer-Nanopartikel in Wurzelgewebe eindringen und sich schrittweise innerhalb der Pflanze verteilen könnten, während positiv geladene Partikel eher an der Wurzeloberfläche verbleiben und nur minimal aufgenommen werden.
Die Anreicherung und das Eindringen von Nanopartikeln könnte laut dem Bericht mit Störungen physiologischer Prozesse einhergehen, darunter eine beeinträchtigte Nährstoffaufnahme, die sich in Wachstumshemmung und Veränderungen der Wurzelmorphologie äussern könnte. Der Bericht zitiert eine Forschungsarbeit:
„_Die Aufnahme und der Transport von Mikro- und Nanoplastik sind komplexe Prozesse, die von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden, darunter Partikelgröße, Oberflächenladung, mechanische Eigenschaften und physiologische Merkmale der Pflanzen sowie äußere Umweltbedingungen._“
Warum Nanoplastik die Photosynthese von Fichten und Laubbäumen beeinträchtigen könnte
Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel sind laut dem Bericht in der Lage, an Blattoberflächen zu haften und in Pflanzenzellen einzudringen. Bei längerer Exposition gegenüber Mikro- und Nanoplastik zeigten Pflanzen eine Abnahme der Photosynthese-Effizienz, was möglicherweise zu einer verringerten Sauerstoffproduktion führen könnte, teilweise aufgrund von Schäden an Chloroplasten, den Energiezentren der Pflanzenzelle.
Man stelle sich einen Fichtenwald in den Dolomiten vor, dessen Bäume nachweislich über unterirdische Mykorrhiza-Netzwerke miteinander verbunden sind und über bioelektrische Signale koordiniert auf äussere Reize reagieren. Eine im Bericht referenzierte Studie, veröffentlicht in Royal Society Open Science unter der Leitung von Alessandro Chiolerio, untersuchte die elektrischen Signale von Fichten (Picea abies) während einer partiellen Sonnenfinsternis. Die Forscher beobachteten dabei eine Synchronisation der bioelektrischen Signale zwischen den Bäumen, die ein kollektives Muster bildeten. Ältere Bäume reagierten häufig früher oder intensiver als jüngere.
Diese Beobachtung verdeutlicht, dass bioelektrische Prozesse als einer der Mechanismen betrachtet werden, die Wachstumskoordination, Bedrohungssignalisierung und pflanzliche Stressanpassung gewährleisten. In diesem Zusammenhang wird laut dem Bericht die Frage nach dem Einfluss elektrostatisch geladener Mikro- und Nanoplastikpartikel auf diese natürlichen Regulationsmechanismen zunehmend relevant.
Warum Mikroplastik in Waldökosystemen den Kohlenstoffhaushalt zusätzlich belasten könnte
Zunehmende Hinweise deuten laut dem Bericht darauf hin, dass Mikro- und Nanoplastik die Funktionsweise von Ökosystemen beeinträchtigen könnte, indem es Bodenprozesse, pflanzliche Wurzelsysteme und mikrobielle Gemeinschaften stört. Diese Auswirkungen könnten Folgen für wichtige biogeochemische Kreisläufe haben, einschließlich der Kohlenstoffdynamik, obwohl direkte Belege hierfür noch fehlen.
Diese Besorgnis entsteht laut dem Bericht im Kontext bereits beobachteter Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt von Wäldern. In bestimmten Regionen des Amazonas-Regenwaldes, insbesondere in östlichen Gebieten, wurde berichtet, dass die Kohlenstoffemissionen die Kohlenstoffbindung übersteigen.
Wie Mikroplastik innerhalb von 72 Stunden das Gehirn von Honigbienen erreicht
Die Aussterberate von Insekten ist laut dem Bericht 8 Mal höher als die von Säugetieren, Vögeln und Reptilien. Mehr als 75 Prozent der weltweit wichtigsten Nutzpflanzen, darunter viele Obst- und Gemüsesorten, Nüsse und Ölsaaten, sind in unterschiedlichem Masse auf tierische Bestäuber angewiesen, insbesondere auf Bienen.
Man stelle sich eine Biene vor, die sich einer Blüte nähert. Während des Fluges lädt sich ihr Körper durch die Reibung mit der Luft positiv auf, während die Blüte geerdet bleibt und eine negative Ladung trägt. Das so entstehende elektrische Feld ermöglicht laut dem Bericht den Transfer von Pollen zur Biene, noch bevor ein physischer Kontakt mit der Blüte stattfindet. Bienen könnten Blüten anhand der Parameter ihrer elektrischen Felder unterscheiden, spezifische elektrische Signale mit dem Vorhandensein von Nektar assoziieren und die „Frische“ einer Blüte anhand des Niveaus ihrer Restladung bewerten. Nachdem eine Biene eine Blüte besucht hat, schwäche sich das elektrische Feld der Blüte ab, was andere Bienen als indirektes Zeichen einer geringeren Nektarverfügbarkeit wahrnehmen könnten.
Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel könnten laut dem Bericht als Faktor betrachtet werden, der diese fein abgestimmten sensorischen Systeme möglicherweise stört. Laut der Forschung von Professor David Baracchi von der Universität Florenz könnten Mikroplastikpartikel über die Kutikula oder durch Aufnahme in den Körper einer Biene gelangen und innerhalb von 72 Stunden das Gehirn erreichen. Darauf folge synaptische Zerstörung, Neuroinflammation, Zelltod und Neurotransmitter-Störung. Die Biene verliere an Masse, ihr Stoffwechsel verlangsame sich und ihre Immunität nehme ab.
Darüber hinaus zeigten Bienen laut dem Bericht Verhaltensänderungen, einschliesslich Beeinträchtigungen bei Lernen und Gedächtnis. Polystyrol in Konzentrationen, die in der Umwelt vorkommen könnten, könnte unter experimentellen Bedingungen die Gedächtnisbildung und den Gedächtnisabruf bei Honigbienen beeinträchtigen.
Warum Nordamerika in 50 Jahren drei Milliarden Vögel verloren hat und Plastik als zusätzlicher Faktor gilt
Ein stetiger und statistisch bestätigter Rückgang der Wildvogelpopulationen wird laut dem Bericht weltweit dokumentiert. Nordamerika allein habe in den letzten 50 Jahren etwa 3 Milliarden Vögel verloren, ungefähr jedes vierte Individuum. Vögel sind für ihre Navigation und Überlebensfähigkeit auf die Übertragung elektrischer Signale angewiesen. Nervenimpulse, die vom Gehirn zu Organen und Muskeln wandern, steuern die Bewegung von Flügeln, Schwanz und Körper während des Fluges.
Man stelle sich einen Zugvogel vor, der jedes Jahr Tausende von Kilometern zurücklegt und stets an denselben Ort zurückkehrt. Laut dem Bericht dient das Erdmagnetfeld als einer der zentralen Orientierungspunkte während der Wanderung. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass der primäre Detektor ein spezialisierter molekularer Mechanismus im visuellen System der Vögel sein könnte, der es ihnen ermögliche, Magnetfeldparameter wahrzunehmen und in elektrische Signale umzuwandeln.
Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel könnten laut dem Bericht nach dem Eintritt in den Körper von Vögeln die Übertragung elektrischer Impulse möglicherweise verzerren und die Funktion des Nervensystems stören. Diese Störungen stehen laut dem Bericht in Zusammenhang mit beeinträchtigter motorischer Koordination, einer Schwächung von Gedächtnis und Lernfähigkeit, Veränderungen der Stimmaktivität und einer verringerten Genauigkeit der räumlichen Orientierung. Besonders verletzlich seien dabei Jungvögel, da sich ihr Nervensystem in einer Phase aktiver Entwicklung befinde.
Forscher haben laut dem Bericht bei Seevögeln Symptome beschrieben, die neurodegenerativen Veränderungen ähneln, sowie einen Rückgang der für die Fortpflanzung notwendigen Verhaltensweisen. 403 Plastikteile wurden aus dem Magen eines 90 Tage alten Kükens des Blassfuss-Sturmtauchers (Ardenna carneipes) entfernt, der grösste dokumentierte Einzelfall von Plastikaufnahme bei dieser Art.
Warum elektrostatisch geladenes Nanoplastik die Elektrorezeption von Haien und Fischen stören könnte
Die Populationen mariner Wirbeltiere sind laut dem Bericht in den letzten 50 Jahren um 56 Prozent zurückgegangen. Der stärkste Rückgang wird in Süsswasserökosystemen verzeichnet, wo der Wert 85 Prozent erreicht.
Unter Wasser verliert das Sehen häufig an Präzision und Schallsignale werden durch die physikalischen Eigenschaften des Wassers verzerrt. Deshalb nutzen viele Meeresorganismen laut dem Bericht alternative sensorische Kanäle, darunter die Elektrorezeption, also die Fähigkeit, schwache elektrische Felder wahrzunehmen und sich danach zu orientieren. Man stelle sich einen Hai vor, der einen regungslosen Fisch aufspürt, nicht über Sicht oder Geruch, sondern über die schwachen elektrischen Impulse, die durch Muskel- und Herzaktivität der Beute erzeugt werden. Da diese Felder durch den ständigen Ionenfluss durch die Körperoberflächen entstehen, seien bioelektrische Signale ein physiologisch unvermeidlicher Bestandteil lebender Systeme in aquatischen Umgebungen.
Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel könnten laut dem Bericht als Faktor betrachtet werden, der in der Lage sei, bioelektrische Signale zu verzerren oder zu blockieren. Eine solche Störung der sensorischen Kommunikation und Navigation könnte die Verletzlichkeit aquatischer Organismen erhöhen. Darüber hinaus zeigten Fische, die Mikro- und Nanoplastik ausgesetzt waren, laut dem Bericht ein breites Spektrum toxischer Wirkungen, darunter Funktionsstörungen des Immunsystems, Veränderungen der Blutparameter, Anzeichen von Neurotoxizität, Wachstumshemmung und einen Rückgang der Fortpflanzungsfunktion.
Warum Nanoplastik als systemische Bedrohung für die Widerstandsfähigkeit ganzer Ökosysteme eingestuft wird
Die Autoren des Berichts kommen zu dem Schluss, dass die im Bericht beschriebenen Beispiele nur spezifische Fälle eines weitaus grösseren Problems darstellen. Wenn die Signalübertragung beeinträchtigt werde, schwächten sich biologische Verbindungen ab, destabilisierten sich die Funktionen von Organismen und nehme die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen ab.
Angesichts der allgegenwärtigen Präsenz von Mikro- und Nanoplastik und des Trends einer raschen Zunahme der Menge an Plastikpartikeln bestehe laut dem Bericht das Risiko systemischer Ausfälle auf verschiedenen Ebenen der biologischen Organisation, von der Physiologie einzelner Organismen bis zur Stabilität der Biosphäre insgesamt. Da Menschen von der Funktionsfähigkeit natürlicher Systeme, Luft, Wasser und biologischer Gemeinschaften abhängen, erhalte die Degradation der Biosphäre unvermeidlich den Charakter nicht nur einer ökologischen, sondern auch einer anthropogenen Bedrohung.
Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass direkte Belege für die kausalen Zusammenhänge zwischen Mikro- und Nanoplastik und Ökosystemschäden in vielen Bereichen noch fehlen und weitere Forschung erforderlich sei.
Quelle: Ahn, J., Hronová, K., Pashigreva, A., Kárová, T., Kotlyar, A., Masny, A., Kára, J. Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment. ALLATRA Global Research Center, 2026. DOI: https://doi.org/10.65849/agrc.report.mnp.2026.04001. Lizenz: CC BY 4.0.
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Wie Nanoplastik unser Gehirn, unsere Kinder und die Biosphäre zerstört | ALLATRA-Forschungszentrum
Posted by PM-Ersteller - 02/02/26 at 08:02:39 a.m.Nanoplastik ist nicht mehr nur ein Umweltproblem: Eine Dokumentation zeigt wie elektrostatisch geladene Nanoplastikpartikel die biologische Prozesse in Organen, im Gehirn und Ökosystemen beeinflussen.
Das ALLATRA Global Research Center veröffentlichte eine wissenschaftliche Dokumentation, die auf das Ausmaß einer globalen Gesundheits- und Umweltproblematik aufmerksam macht, deren potenzielle Tragweite bislang vielfach unterschätzt wird: die weitreichende Kontamination der Biosphäre – einschließlich des menschlichen Organismus – durch elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel.
Der unsichtbare Feind in unserem Körper
Die 3,5-stündige Dokumentation „Nanoplastik – Die unsichtbare Lebensgefahr“ vereint erstmals die Forschungsergebnisse anerkannter internationaler Wissenschaftler und zeigt, dass Nanoplastik weit über ein passives Umweltproblem hinausgeht: Elektrostatisch geladene Nanoplastikpartikel greifen aktiv in biologische Prozesse ein.
Professor Antonio Ragusa, italienischer Gynäkologe, der 2021 als Erster Mikroplastik in der menschlichen Plazenta nachgewiesen hat, erklärt im Film:
_“Plastik ist schädlich und davon sind vor allem Kinder betroffen. In unserem wissenschaftlichen Artikel, der viel Aufmerksamkeit erregte und häufig zitiert wurde, bezeichneten wir sie als Cyborg Babys, also Babys, die aus organischem Material, aber auch aus synthetischem Material wie Plastik bestehen. Diese Babys sind kleiner, haben in der Regel kleinere Gehirne und nur sehr wenige weisen geringere Plastikwerte in ihrem Körper auf.“_
Die physikalische Dimension der Katastrophe
Im Gegensatz zu bisherigen Umweltfilmen richtet die Dokumentation den Blick gezielt auf die physikalischen Eigenschaften von Nanoplastik. Bereits vor über 20 Jahren erkannte der Wirbelsäulenspezialist und Forscher Igor Danilov, dass die eigentliche Gefahr von Plastikpartikeln nicht allein in ihrer chemischen Toxizität liegt, sondern in ihrer Fähigkeit, elektrostatische Ladung zu akkumulieren und langfristig beizubehalten – vergleichbar mit einem Elektret.
Diese Eigenschaft ermöglicht es Nanoplastikpartikeln:
* Biologische Barrieren zu durchdringen, einschließlich der Blut-Hirn-Schranke
* Sich in Zellmembranen einzubetten
* Elektrische Signale zwischen Neuronen zu stören
* Mitochondrien zu schädigen und die Energieproduktion der Zellen zu unterbrechen
* Sich selbst elektrisch „aufzuladen“ und ihre zerstörerische Wirkung zu erneuern
Professor Lukas Kenner vom Christian Doppler Labor für Angewandte Metabolomik in Wien warnt:
_“Wenn wir jetzt zum Beispiel ein 5 Millimeter großes Mikroplastikpartikel nehmen und das in gleich große Teile von einem Mikrometer – also einem Nanoplastikpartikel – zerkleinern, dann entstehen aus einem Partikel 125 Milliarden Partikel. Das sind so viele, wie wir Galaxien im Universum haben. Das heißt, das ist eine Riesenmenge und die Oberfläche von diesen Partikeln ist 5.000-mal größer als die Oberfläche von diesem 5-Millimeter-Partikel. Das heißt, sie erzeugen eine riesige Oberfläche mit dieser Zerkleinerung, und an diese Oberfläche kann sehr viel binden, was eventuell schädlich ist.“ (Quelle: oeaz.at/Transkript_28_Mikroplastik_Kenner.pdf)_
Vom Ozean ins Gehirn: Der globale Kreislauf
Die Dokumentation zeigt anhand aktueller Forschungsdaten, wie Plastik in einem globalen Kreislauf durch Umwelt und biologische Systeme transportiert wird:
* Im Ozean: Im Ozean haben sich über 200 Millionen Plastikmüll angesammelt. Allein in der obersten Schicht des Ozeans befinden sich rund 350 Billionen Plastikmikropartikel. In Wirklichkeit sind es jedoch um ein Vielfaches mehr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass 90% der Nanoplastikpartikel zu klein sind, um von Analysegeräten erfasst zu werden.
* In der Atmosphäre: Durch Verdunstung gelangen Plastikpartikel in die Luft und werden über tausende Kilometer transportiert. Dr. Dusan Materic vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erklärt:
_“Was wir also entdeckt haben, ist, dass Nanoplastik an allen Stationen vorhanden ist und wir haben Nanoplastik sogar in der tiefsten Meeresumgebung gefunden und unser tiefster Mes_spunkt liegt unter 5000 Metern“
* In der Nahrungskette: Wissenschaftler der Universität Newcastle (Australien) fanden heraus, dass ein Mensch im Durchschnitt rund 250 Gramm Plastik pro Jahr mit Lebensmitteln konsumiert, was dem äquivalenten Gewicht von 50 Plastiktüten entspricht. Professor Sedat Gündogdu von der Çukurova-Universität teilte mit:
_“Wir haben 26 menschliche Leichen analysiert, den Inhalt ihres Magen-Darm-Trakts untersucht und in jedem Fall 9 bis 10 Mikroplastikpartikel in ihren Mägen gefunden. Das heißt, angesichts der Menge an Mikroplastik kann man von einer akuten Form der Kontamination sprechen.“_
* Im menschlichen Gehirn: Laut Forschern der University of New Mexico enthält das menschliche Gehirn nach aktuellen Berechnungen im Durchschnitt rund 7 Gramm Plastik pro Person – das entspricht etwa 0,5 % des Gehirngewichts und ungefähr dem Gewicht eines Plastiklöffels.
Bedrohung der Intelligenz und kognitiven Fähigkeiten
Besonders alarmierend sind die Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung. Die Dokumentation präsentiert Daten zum „Reverse Flynn Effect“ (umgekehrter Flynn-Effekt) – dem erstmalig dokumentierten Rückgang des durchschnittlichen IQ seit Beginn der Messungen:
* US-amerikanische High-School-Schüler erreichten 2025 die schlechtesten Mathematik- und Lesewerte seit Beginn der Aufzeichnungen
* Der IQ-Rückgang korreliert direkt mit dem exponentiellen Anstieg der Plastikproduktion seit den 1970er Jahren
* Elektrostatisch geladene Nanoplastikpartikel stören die Signalübertragung zwischen Neuronen und verursachen chronische Neuroinflammation
Dr. Sarju Ganatra, Kardio-Onkologe am Lahey Hospital & Medical Center, warnt:
_“Man muss jedoch den kumulativen Effekt berücksichtigen. Es geht nicht um einen bestimmten Schwellenwert zu einem bestimmten Zeitpunkt, nicht um den einmaligen Verschmutzungsgrad dessen, was wir konsumieren, sondern um die kumulative Wirkung auf unser Gehirn. Und ehrlich gesagt wissen wir das noch nicht, denn der Faktor Zeit ist unterschiedlich. Für ein kleines Kind, dessen Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist, oder für das Gehirn eines Erwachsenen.“_
Reproduktionskrise und die Zukunft der Menschheit
Die Auswirkungen auf die reproduktive Gesundheit sind dramatisch:
* Bei Männern ist die Gesamtzahl der Spermien zwischen 1973 und 2018 weltweit um über 60% gesunken
* Mikroplastik wurde in allen untersuchten Spermaproben gefunden
* 17,5% der Erwachsenen weltweit leiden unter Unfruchtbarkeit – etwa jeder sechste Mensch
* Angesichts der weltweiten Verbreitung von Plastikverschmutzung könnte die Weltbevölkerung laut Prognosen von Shanna Swan, Professorin für Umweltmedizin und Spezialistin für reproduktive Gesundheit, bis zum Jahr 2045 vollständig unfruchtbar werden.
Mikroplastik wurde auch in Plazenta nachgewiesen und je höher die Konzentration, desto häufiger kommt es zu Frühgeburten und Entwicklungsstörungen des Fötus. Sogar in Muttermilch fanden Forscher in fast 40% der Proben Mikroplastikpartikel.
Ökosystem-Kollaps: Wenn die Natur verstummt
Die Dokumentation zeigt, wie Nanoplastik die elektrischen Kommunikationssysteme in der gesamten Biosphäre stört:
Bei Bienen: Mikroplastik kann durch die dünne Kutikula oder mit der Nahrung in den Körper der Biene gelangen und erreicht bereits nach zweiundsiebzig Stunden ihr Gehirn. Dann kommt es, wie beim Menschen, zur Zerstörung der Synapsen, zu Neuroinflammation, zum Zelltod und zu einer Störung der Neurotransmitter. Die Biene verliert an Gewicht, ihr Stoffwechsel verlangsamt sich, ihre Immunität nimmt ab. Der Geruchssinn, das Gedächtnis und die Orientierung werden beeinträchtigt. Die Bienen erkennen ihre Artgenossen nicht mehr und können den Weg nach Hause nicht mehr finden.
Die längere Einwirkung von Nanoplastik auf den Organismus der Bienen hat fatale Folgen: Ihr Nervensystem hält der Belastung nicht stand, einige Tiere fallen einfach mitten im Flug tot zu Boden.
Professor David Baracchi von der Universität Florenz erklärt: _“Polystyrol beeinträchtigte nicht nur das Überleben, sondern auch das Lern- und Erinnerungsvermögen stark. In unserem Experiment haben wir tatsächlich festgestellt, dass dieses Polymer in einer in der Umwelt wahrscheinlich vorkommenden Konzentration die Gedächtnisbildung und den Abruf von Gedächtnisinhalten beeinträchtigen kann.“_
In den Wäldern: Bäume kommunizieren über elektrische Signale durch Wurzeln und Pilznetzwerke – das „Wood Wide Web“. Nanoplastik stört diese Kommunikation und schwächt die Fähigkeit der Wälder, sich anzupassen und zu regenerieren.
Dr. Collin J. Weber (TU Darmstadt, Institut für Angewandte Geowissenschaften) und Prof. Dr. Moritz Bigalke (Universität Bern / TU Darmstadt) haben die jährliche Ablagerung von Mikroplastik in Waldböden geschätzt und deren Zusammenhang mit dem Umfang der Kunststoffproduktion in Europa nachgewiesen. Unter der Annahme, dass der atmosphärische Niederschlag die Hauptquelle für Plastikpartikel ist, können sich über einen Zeitraum von 70 Jahren etwa 400.000 Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter im Waldboden ansammeln. (Quelle: „Forest soils accumulate microplastics through atmospheric deposition“ – Fachjournal _Communications Earth & Environment_)
Im Meer: Alle Lebewesen im Wasser erzeugen durch den Ionenfluss über ihre Haut kontinuierliche bioelektrische Felder. Diese Felder verändern sich subtil, wenn sich das Tier bewegt oder ein anderes Lebewesen in der Nähe erscheint. Elektrische Impulse sind ein untrennbarer Bestandteil des Lebens selbst, auch unter Wasser.
Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel können diese Signale verzerren oder blockieren, wodurch Meerestiere besonders gefährdet sind. Infolgedessen verlieren Meerestiere und Fische die Fähigkeit, Beute präzise zu orten, Fressfeinden auszuweichen und Wanderrouten zu folgen. Dies bedroht ihr Überleben und führt zu Populationsrückgängen.
Gesundheitskrise: Von Krebs bis zum plötzlichen Tod
Die medizinischen Implikationen sind weitreichend:
Krebs: Die Krebsrate steigt weltweit dramatisch an – von 18,1 Millionen Neuerkrankungen 2020 auf fast 20 Millionen 2022. Die WHO prognostiziert 33-35 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr bis 2050. Professor Jeffrey Long warnt:
„_Es gibt weltweit eine erhöhte Krebsrate bei Kindern und auch bei deutlich jüngeren Menschen, als ich früher gesehen habe. Was jetzt passiert, ist, dass immer mehr Menschen an Krebs erkranken, Kinder, junge Erwachsene, und es hat wahrscheinlich nichts mit Rauchen, Alkohol oder Ähnlichem zu tun. Es scheint etwas anderes zu geben, etwas in der Umwelt, das diese Krebserkrankungen in alarmierendem Ausmaß verursacht, und es wird immer schlimmer._“
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Menschen, die in atherosklerotischen Plaques Mikroplastik haben, weisen ein 4,5-fach erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod auf. Nanoplastik fördert Thrombose, schädigt Blutgefäße und beeinträchtigt die Herzfunktion durch Mitochondrienschädigung.
Plötzlicher Tod: Die Dokumentation zeigt den möglichen Zusammenhang zwischen Nanoplastik und dem plötzlichen Herztod, der jährlich etwa 5 Millionen Menschenleben weltweit fordert. Elektrostatisch geladene Partikel könnten die Übertragung lebenswichtiger elektrischer Signale vom Gehirn zu Herz und Lunge stören.
Sperrzonen: Die Mittelmeerkatastrophe
Besonders erschreckend sind die Erkenntnisse über das Mittelmeer, wo Forscher einen unsichtbaren „sechsten Müllstrudel“ identifiziert haben, der hauptsächlich aus Mikroplastik besteht. Die Konzentration ist viermal höher als im Nordpazifik. Professor Gündogdu berichtet:
_“Durch das Recycling sind Flüsse, der Ceyhan und der Seyhan, tatsächlich die am stärksten verschmutzten Flüsse im Mittelmeer. Sie transportieren jedes Jahr mehr als 5.000 Tonnen Plastikmüll ins Mittelmeer. Das ist zu viel. Darüber hinaus beträgt die Verschmutzung an der türkischen Küste etwa 31 Kilogramm Plastik pro Kilometer Küstenlinie und Tag. Das heißt, pro Kilometer Küstenlinie treiben täglich 31 kg Plastikmüll an. Das ist sehr viel. Stellen Sie sich vor: Eine Plastikflasche wiegt etwa 10 bis 15 Gramm. Dann kann man sich ausrechnen, wie viele Plastikflaschen täglich an diesen Küsten stranden.“_
Dr. Ganatra’s Studie zeigt bei Menschen, die in Gegenden mit hoher Konzentration von Mikro- und Nanoplastik leben:
* 9 Prozent mehr – Gedächtnis- und kognitive Funktionsstörungen als bei Menschen, die in Gegenden mit niedriger Konzentration leben.
* 6 Prozent höher – Bewegungsstörungen
* 16 Prozent häufiger – Schwierigkeiten bei der Selbstversorgung, zum Beispiel beim Anziehen, bei der Hygiene
* 8 Prozent häufiger – Unfähigkeit zum selbstständigen Leben: Haushaltsführung, Einkaufen
Diese Regionen, die einst Symbole für Gesundheit und Luxus waren, werden zu Gefahrenzonen.
Warum Recycling und Plastikproduktionsstopp das Problem nicht lösen können
Ein zentraler und schockierender Befund der Dokumentation widerlegt die gängige Annahme, dass ein Produktionsstopp und intensiveres Recycling die Plastikkrise lösen könnten. Die Realität ist weitaus düsterer: Selbst wenn die Menschheit heute jegliche Plastikproduktion einstellen würde, bliebe das bereits in der Biosphäre vorhandene Plastik für Jahrtausende eine tödliche Bedrohung. Dr. Ganatra bringt es auf den Punkt:
_“Selbst wenn wir heute die Produktion von Plastik einstellen, die letzte Plastikflasche wegwerfen würden, verbleibt sie noch mindestens 400 Jahre lang in unseren Ozeanen, und mit ihr die Reise von Mikro- und Nanoplastik.“_
Die Zahlen sind ernüchternd: Von den 200 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren werden jährlich nur etwa 20.000 Tonnen entfernt – weniger als 0,01%. Bei diesem Tempo würde eine vollständige Reinigung des Ozeans vom Plastikmüll etwa 10.000 Jahre dauern. Selbst bei einer fünffachen Steigerung der Effizienz wären noch 2.000 Jahre nötig. Professor Richard Thompson warnt: „Plastik gelangt derzeit mit einer Geschwindigkeit in die Umwelt, die unsere Kapazität zur Entfernung bei weitem übersteigt.“
Noch gravierender: Mechanische Entfernung ist nicht nur ineffizient, sondern auch gefährlich. Professor Gündogdu erklärt:
_“Es gibt einige Organisationen, die versuchen, Plastikmüll zu sammeln, der sich in sogenannten „Müllstrudeln“ im Ozean angehäuft hat. Dabei fangen sie jedoch auch Neuston ein – Organismen, die in der obersten 15-Zentimeter-Schicht des Ozeans leben. Diese Organismen nutzen künstliche Materialien als Jagd-, Nist- und Futterplätze und legen manchmal sogar ihre Eier direkt auf dem Plastik ab. Wenn wir also das Plastik entfernen, vernichten wir gleichzeitig auch diese Organismen. Somit wird der Reinigungsprozess selbst zu einem weiteren ökologischen Problem.“_
Das größte Problem jedoch ist unsichtbar: Der Großteil des Plastiks hat sich bereits in Mikro- und Nanopartikel zerlegt, die am Meeresboden liegen, in der Wassersäule schweben, in die Körper von Meeresorganismen eingedrungen sind und Teil des globalen Stoffkreislaufs geworden sind. Diese Partikel können nicht mit Netzen gefangen oder manuell gesammelt werden. Sie sind bereits in jeder lebenden Zelle auf dem Planeten – in Ihrem Gehirn, in den Organen Ihrer Kinder, in ungeborenen Embryonen, sogar in Eizellen und Spermien.
Auch gängige Entsorgungsmethoden verschlimmern das Problem: Verbrennung – vom Hinterhof-Feuer bis zur industriellen Müllverbrennung – zerlegt Plastik nicht, sondern beschleunigt lediglich seine Fragmentierung in gefährliche Nanopartikel, die sich in der Luft verteilen. Pyrolyse bei 800°C setzt hochgiftige Dioxine und Furane frei. Selbst Recycling trägt zur Kontamination bei: Professor Gündogdu dokumentiert, dass Recyclinganlagen durch Zerkleinerung und Waschprozesse „Milliarden und Abermilliarden von Mikroplastikpartikeln generieren, die dann in Abwasserströme oder Gewässer gelangen.“
Die erschreckende Wahrheit: Es gibt keine Möglichkeit, Nanoplastik aus unserem Körper zu entfernen. Medizinische Verfahren wie Plasmapherese oder Hämosorption können bestenfalls einen winzigen Bruchteil aus dem Blut filtern, während die Partikel längst in Zellen, Organen und Gehirn eingelagert sind. Dr. Ganatra stellt klar:
_“Ich glaube nicht, dass es wissenschaftlich fundierte Methoden gibt, um Mikro- und Nanoplastik aus dem Blut herauszufiltern. Es lagert sich direkt in den Organen ab, und das ist nichts, was man herausfiltern könnte, indem man das Blut durch irgendeine Filtrationsmaschine laufen lässt.“_
Zudem ist ein kompletter Verzicht auf Plastik unrealistisch und wirtschaftlich katastrophal: Plastik ist nach Beton das zweithäufigste Material der Welt und bildet das Rückgrat moderner Industrie, Medizin, Elektronik, Luft- und Raumfahrt sowie Bauwesen. Professor Thompson betont:
_“Plastik ist schließlich kein Feind. Es geht nicht darum, die Produktion von Plastik einzustellen. Es geht darum, die Verschmutzung durch Plastik zu beenden, nicht darum, seine Produktion einzustellen. Plastik kann einen klaren Nutzen für die Gesellschaft haben.“_
Die einzige echte Lösung liegt nicht im Entfernen oder Vermeiden von Plastik, sondern in der Neutralisierung seiner tödlichsten Eigenschaft: der elektrostatischen Ladung. Die ALLATRA-Forschungsgruppe identifizierte bereits vor 20 Jahren, dass Nanoplastik seiner Fähigkeit beraubt werden muss, elektrische Ladung zu akkumulieren und zu halten – nicht nur in einer Petrischale, sondern in der gesamten Biosphäre, ohne Schaden für Mensch, Planet oder das Erdmagnetfeld anzurichten. Dies würde nicht nur die Gesundheitsbedrohung eliminieren, sondern auch überschüssige Energie aus der Biosphäre entfernen, die andernfalls die geodynamische Krise verstärkt und Naturkatastrophen intensiviert.
Diese monumentale wissenschaftliche Herausforderung erfordert jedoch die vereinten Anstrengungen der gesamten Weltgemeinschaft. Kein einzelner Forscher, keine Institution, keine Nation kann diese Herausforderung allein bewältigen.
Falsche Hoffnungen auf Recycling oder Produktionsstopps lenken nur von der Dringlichkeit der wahren Lösung ab und verschwenden kostbare Zeit, die der Menschheit davonläuft.
Dringender Aufruf zum Handeln
Professor Kenner fasst die Dringlichkeit zusammen:
_“Ich denke, es ist sehr wichtig, dass die Menschen verstehen, dass es nicht um große Plastikteile geht, die irgendwo herumliegen, sondern darum, dass diese Produkte allmählich in immer kleinere Partikel zerfallen – und genau das stellt für uns eine große Gefahr dar. Ich bin der Meinung, dass man dies den Menschen bewusst machen muss, damit sie verstehen, dass dies eine Lawine sein könnte, die auf uns zukommt, aber sie wird kommen oder könnte kommen, wenn wir nichts dagegen unternehmen.“_
Die Zeit läuft ab. Die kognitive Beeinträchtigung der Menschheit schreitet voran. Der Film stellt eine berechtigte Frage: Haben wir noch die geistige Klarheit, diese existenzielle Bedrohung zu erkennen und gemeinsam zu handeln?
Über ALLATRA Global Research Center
Das ALLATRA Global Research Center ist eine internationale wissenschaftliche Organisation, die sich der Erforschung globaler Bedrohungen für die Menschheit widmet. In Zusammenarbeit mit führenden Wissenschaftlern weltweit entwickelt ALLATRA evidenzbasierte Lösungen für die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit.
Verfügbarkeit
Die vollständige Dokumentation ist ab sofort auch auf Deutsch kostenlos verfügbar unter
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„Wir sind die Arche“: Mit aktivem Artenschutz die Welt retten
Posted by PM-Ersteller - 18/03/25 at 09:03:12 a.m.Die Zukunft der biologischen Vielfalt liegt in unseren Händen. Wer meint, alleine nichts ausrichten zu können, wird in diesem Buch eines Besseren belehrt.
„Veränderung ist möglich: Ein Mensch, ein Stück Land, ein Schritt nach dem anderen“. Unter diesem Motto ist soeben das neue Buch von Mary Reynolds „Wir sind die Arche“ im Neue Erde Verlag erschienen – als einfühlsamer Leitfaden, um mit aktivem Artenschutz sprichwörtlich die Welt zu retten, und als Einladung, Teil der wachsenden Arche-Bewegung zu werden.
Die biologische Vielfalt in der Natur nimmt rasant ab. Besonders gefährlich für das ökologische Gleichgewicht ist das beispiellose Artensterben, das heute durch menschlichen Einfluss bis zu 10.000 x höher als unter natürlichen Bedingungen ist, wie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung feststellt und den Erhalt der biologischen Vielfalt als eine der „größten Herausforderungen der Menschheit“ bezeichnet.
„Wir sind die Arche“ ist ein Aufruf an alle, für den Schutz genau dieser gefährdeten Artenvielfalt aktiv zu werden. Warten auf die Politik hilft uns nicht weiter und so plädiert die irische Autorin und Landschaftsgärtnerin Mary Reynolds darin für die Schaffung eigener kleiner „Archen“, um Wildtieren, Vögeln, Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten und Kleinstlebewesen verlorenen Lebensraum zurückzugeben.
Ob im eigenen Garten, auf einem Bauernhof oder auf öffentlichen Flächen – jeder Quadratmeter zählt. Durch einfache Maßnahmen wie zum Beispiel reduziertes und bewussteres Mähen können große Effekte erzielt werden: Insekten werden nicht zerschreddert, Kräuter, Wildgräser und -blumen, die sonst unterdrückt werden, können wachsen. Die biologische Vielfalt erhöht sich und zieht mit dem neuen Nahrungsangebot weitere Lebewesen an.
Wir alle können Teil der Lösung sein
Wenn Millionen von uns zusammenarbeiten, um unser eigenes Stückchen Erde zu retten, dann haben wir eine echte Chance auf Veränderung, so der dem Buch zugrunde liegende Gedanke. Tatsächlich machen alleine in Deutschland Privatgärten eine riesige Anzahl kleiner Lebensräume mit einer enormen Gesamtfläche aus, die aufgrund von intensivierter Landwirtschaft und abnehmender Strukturvielfalt im ländlichen Raum wichtige Rückzugsorte für etliche Arten geworden sind, wie auch Experten im WELT-Artikel „Warum die 17 Millionen Gärten in Deutschland wichtige Lebensräume sind“ bestätigen.
Gemeinsam ist Veränderung möglich, sagt die Autorin Mary Reynolds, die mit dem Buch „We are the ARK“ von ihrer Heimat Irland ausgehend bereits eine kleine Bewegung ins Leben gerufen hat. Eine Arche – englisch „Ark“ – ist demnach ein wiederhergestelltes einheimisches Ökosystem. Dafür braucht es weder viel Geld noch Aufwand, sondern lediglich den Willen, Teil der Lösung zu sein und mit Fürsorge und Geduld ein Fleckchen Erde wieder aufblühen zu lassen. Reynolds nennt dies „Taten der wiederherstellenden Zuwendung“ (Acts of Restorative Kindness, kurz ARKs). Jeder kann beim ARKing mitmachen, selbst auf der Fensterbank oder dem Balkon!
Neben den wissenschaftlichen und ökologischen Hintergründen zeigt das Buch alle Schritte auf, um erfolgreich ARKing zu betreiben. Ziel ist es, der Natur zu ermöglichen, ihre eigenen Prozesse zu durchlaufen. So haben zunächst aufkommende Unkräuter und Dornenpflanzen durchaus ihren Sinn. Sie sind Wegbereiter für die Regeneration des Bodens und bieten Schutz für weitere einheimische Arten, die sich somit erst entwickeln können. Das Ergebnis ist ein breites Spektrum an Lebensräumen mit Wiesen, Gesteinen, Gebüschen, heimischen Gehölzen und Teichsystemen – so viel Vielfalt wie möglich. Die Natur dankt es uns mit mannigfaltigem Leben.
Von der Gartenbauindustrie zum ARKevismus
Als international gefeierte Landschaftsarchitektin begann Mary Reynolds ihre Karriere 2002 auf der Chelsea Flower Show, bei der sie als deren damals jüngste Teilnehmerin eine Goldmedaille gewann. Ihre Geschichte wurde 2015 unter dem Titel „Dare to be Wild“ verfilmt. Inzwischen ist sie Bestsellerautorin, Rednerin, Fernsehmoderatorin und Begründerin der globalen Bewegung „We are the ARK“, die bereits über 1.400 Archen weltweit verzeichnet und zu der es nun auch eine deutsche Webseite gibt.
Bemerkenswert ist die radikale Wende, die Mary Reynolds von der aufgeräumten Landschaftsgärtnerei hin zum Schutz der wilden Artenvielfalt vollzogen hat. Ihre Kritik an der Gartenbauindustrie mit exotischen, meist nicht vermehrbaren Pflanzen mit hohem Dünge- und Wasserbedarf sowie uniformen „toten“ Rasen führte sie zu gelebtem Umweltaktivismus – ARKevismus -, der auf natürliche, einheimische und lebensraumschaffende Arten setzt und als Basisbewegung alle miteinbeziehen möchte, denen die Natur am Herzen liegt.
Ihr gesammeltes Wissen gibt die „bekehrte“ Umweltschützerin im ARK-Buch weiter, zusammen mit Tipps zur Einbeziehung von Kommunen, Ideen für potentielle Archen und wie man lokale Politiker zur Unterstützung von kleinen Familienbetrieben anregen und Kinder und Jugendliche für aktiven Artenschutz begeistern kann. Weitere Vorschläge sind u.a. Gemeinderäte für Gemeinschaftsgärten in Städten zu gewinnen, eigenes Gemüse anzubauen und Wasser, Flüsse und Ozeane zu schützen, inklusive nachhaltiger Abwasserbehandlungssysteme.
Ein Netz aus Leben, Magie und Hoffnung weben
„Gärten sind Teil der alten Welt, wir müssen eine neue bauen“, sagt Reynolds und fordert, von jedem Stück Land die Hälfte der Natur zurückzugeben, damit diese sich wieder selbst um all die verdrängten Pflanzen und Wildtiere kümmern kann, die unsere Biodiversität ausmachen. Wie das geht, zeigt sie in ihrem neuen Buch, das uns einfühlsam mit auf die Reise nimmt.
Liebevoll illustriert ist „Wird sind die Arche“ Aufruf, Inspiration und praktische Anleitung, um heimische Ökosysteme selbst wiederherzustellen, Gemeinschaftssinn aufzubauen und die eigene Verbindung zur Natur und ihren Geschöpfen zu erneuern: „Es ist an der Zeit, dass wir Menschen uns erheben und zu Webern des Lebensnetzes werden, um die Fäden, die wir zerrissen haben, wieder neu zu knüpfen. Dies ist eine andere Art des Webens. Es ist ein Netz aus miteinander verbundenem Leben, miteinander verbundener Magie und Hoffnung.“
Das Buch erscheint im Neue Erde Verlag, der seit kurzem stolzer Träger des Umwelt- und Klimaschutzpreises der Stadt Saarbrücken ist.
Buchinfo
Mary Reynolds
„Wir sind die Arche“
Hardcover, 276 Seiten, mit farbigen Illustrationen von Ruth Evans
Neue Erde, März 2025
ISBN 978-3-89060-877-8
„Ein optisches, literarisches und poetisches Meisterwerk. Ein Manifest nicht nur für die Renaturierung unseres Landes, sondern für die Wiederbelebung unserer untrennbaren Verbindung zur Natur und unserer Verantwortung als Hüter unseres Planeten.“
Shyla Raghav, Chief Climate Officer des TIME-Magazins
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