Siemens Healthineers unter Druck wegen Kaninchen-Antikörpern
Posted by PM-Ersteller - 24/02/26 at 12:02:56 p.m.Forderungen von Ärzte gegen Tierversuche e.V. und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre an Siemens Healthineers
Vereine fordern auf Hauptversammlung verbindlichen Ausstiegsplan
Auf der Hauptversammlung von Siemens Healthineers hat Dr. Melanie Seiler, Geschäftsführerin für Öffentlichkeitsarbeit bei Ärzte gegen Tierversuche, gemeinsam mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre den Vorstand zur fortgesetzten Nutzung von Kaninchenblut für diagnostische Tests befragt (1). Hintergrund sind wiederholte Aufdeckungen zu Missständen in Zulieferbetrieben sowie seit Jahren verfügbare tierversuchsfreie Methoden zur Antikörperherstellung. Die Vereine fordern den Konzern auf, die Zusammenarbeit mit auffällig gewordenen Lieferanten zu beenden und einen konkreten Zeitplan für den vollständigen Ausstieg aus Kaninchen-Antikörpern vorzulegen.
Hintergrund der Kritik sind unter anderem verdeckte Recherchen des Vereins SOKO Tierschutz, die im September 2025 massive Tierschutzverstöße in einem bayerischen Zulieferbetrieb dokumentierten, in dem Tausende Kaninchen für die Antikörperproduktion gehalten werden (2). Bereits 2022 war ein Skandal eines weiteren Zulieferers öffentlich geworden – in diesem Fall wurde die Zusammenarbeit beendet (3). Im aktuellen Fall sieht der Konzernvorstand bislang jedoch keinen Anlass, die Geschäftsbeziehung mit dem Betrieb zu beenden. Auf der Versammlung erklärte er, eine kürzlich durchgeführte Überprüfung habe keine wesentlichen Abweichungen ergeben.
„Zwei schwere Fälle innerhalb weniger Jahre sind kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem“, betont Seiler. Wenn Audits keine Verstöße feststellen, während externe Recherchen mehrfach massive Missstände aufdecken, bleiben nur zwei Möglichkeiten – beide hoch problematisch: „Entweder die Kontrollen sind nicht geeignet, Verstöße gegen den Tierschutz zu erfassen, oder festgestellte Verstöße führen nicht zu Konsequenzen, die weiteres Tierleid verhindern können“, so Seiler.
In ihren Wortbeiträgen machten die beiden Verbände deutlich, dass Siemens Healthineers weiterhin Antikörper aus Kaninchenblut einsetzt, obwohl moderne tierversuchsfreie Verfahren zur Herstellung von Antikörpern wissenschaftlich etabliert sind (4). Diese Methoden sind Siemens Healthineers nicht nur bekannt, sondern werden nach Angaben des Konzerns bereits seit Jahren eingesetzt, um diagnostische Tests ohne Kaninchen-Antikörper zu entwickeln (3). Dass diese Entwicklungsarbeiten erfolgreich verlaufen, belegt ein von Siemens Healthineers eingereichtes Patent. In der Patentanmeldung wird ein Verfahren beschrieben, mit dem die Kaninchenantikörper durch tierversuchsfrei hergestellte Antikörper ersetzt werden können (5).
Mala Deimann vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ergänzt: „Der Vorstand von Siemens Healthineers flüchtet sich in Ausreden, statt die eigene Innovationskraft für den Tierschutz einzusetzen. Es ist nicht glaubwürdig, die Verantwortung auf langwierige Zulassungsverfahren zu schieben, wenn man intern längst über das Know-How für tierfreie Methoden verfügt. Wer Nachhaltigkeit predigt, muss auch bereit sein, die Extrameile für eine Zukunft ohne Tierleid zu gehen.“
Ein weiterer Beleg dafür, dass Kaninchen-Antikörper für diagnostische Tests nicht notwendig sind, besteht darin, dass nach Aussagen des Konzern alle in den letzten 10 Jahren neu entwickelten diagnostischen Tests ohne sie auskommen. Dass trotz dieser Erfolge kein konkreter Plan zum Ausstieg aus Kaninchenblut existiert, widerspricht geltendem EU-Recht, nach dem Tierversuche – zu denen auch die Herstellung von Antikörpern in Kaninchen gehört – nur zulässig sind, wenn es keine tierversuchsfreien Verfahren gibt (6).
„Die Frage ist nicht mehr, ob ein Ausstieg wissenschaftlich oder technisch möglich ist – dies hat Siemens Healthineers mit seinen eigenen Entwicklungsaktivitäten selbst belegt. Die Frage ist vielmehr, warum Siemens Healthineers den Ausstieg aus Kaninchenblut nicht konsequent verfolgt und die Öffentlichkeit und seine Aktionäre transparent darüber informiert“, so Seiler.
Mit einer laufenden Kampagne fordert Ärzte gegen Tierversuche Siemens Healthineers auf, einen verbindlichen Plan zum Ausstieg aus der Nutzung von Kaninchenblut vorzulegen.
Weitere Informationen
Kampagne mit Online-Petition „Siemens Healthineers lässt Kaninchen bluten“ >>
Quellen (mit Links auf der ÄgT-Webseite >>)
1. „Erheblicher Widerspruch zum eigenen Nachhaltigkeitsanspruch, solange tierfreie Methoden nicht umgesetzt werden“. Rede von Dr. Melanie Seiler, Ärzte gegen Tierversuche, Dachverband Kritische Aktionäre, 05.02.2026
2. Erschütternde Aufdeckung auf Bauernhof. Ärzte gegen Tierversuche, News, 24.09.2025
3. Tierversuche bei Siemens. Ärzte gegen Tierversuche, Pressemitteilung, 28.07.2022
4. Barroso, J. et al. EURL ECVAM Recommendation on non-animal-derived antibodies. Publications office of the European Union, 2020
5. Immunpräzipitaionsassay mit nicht-Blut-basierten Antikörpern. Siemens Healthcare Diagnostics Products GmbH, Europäische Patentanmeldung, 10.09.2025, EP 4 614 147 A1
6. Richtlinie 2010/63/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere
Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Frau Melanie Seiler
Lustheide 85
51427 Bergisch Gladbach
Deutschland
fon ..: 02204-99902-24
web ..: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de
email : seiler@aerzte-gegen-tierversuche.de
„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.
Pressekontakt:
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Frau Gaby Neumann
Lustheide 85
51427 Bergisch Gladbach
fon ..: 02204-99902-32
email : neumann@aerzte-gegen-tierversuche.de
Siemens Healthineers setzt weiter auf Kaninchenblut
Posted by PM-Ersteller - 28/01/26 at 04:01:45 p.m.Die Produktion von Antikörpern kann und soll tierversuchsfrei erfolgen.
Ärzte gegen Tierversuche fordert Ausstieg aus tierischen Antikörpern
Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) startet heute eine Kampagne gegen den Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers. Anlass ist die fortlaufende Nutzung von Kaninchenblut für die Herstellung von Antikörpern, obwohl seit Jahrzehnten tierfreie Verfahren zur Verfügung stehen. Undercover-Recherchen aus den Jahren 2022 und 2025 dokumentieren zudem gravierende Missstände in Zulieferbetrieben in Baden-Württemberg und Bayern. ÄgT fordert den vollständigen Umstieg auf tierfreie Antikörper-Verfahren.
Im September 2025 veröffentlichte die Organisation SOKO Tierschutz Bildmaterial aus einem Kaninchenbetrieb nahe Augsburg, der als Zulieferer fungiert (1). Dort leben tausende Kaninchen in engen Drahtkäfigen. Zu sehen ist ein grober und gewaltsamer Umgang durch Mitarbeitende. Den Tieren werden mehrfach Antigene gespritzt; am Ende sterben die Tiere durch Ausbluten. Bereits im Juli 2022 dokumentierte der Verein Aninova Missstände in der Haltung von Kaninchen in einem Betrieb in Baden-Württemberg (2). Siemens Healthineers beendete damals die Zusammenarbeit mit diesem Betrieb, bezieht jedoch weiterhin tierisches Blut für seine Produkte. Eine Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Betrieb bei Augsburg ist bislang nicht bekannt.
Das Blutlabor von Siemens Healthineers in Marburg stellt Diagnostik-Tests auf Basis von tierischen Antikörpern her. Mithilfe der Tests können zum Beispiel Schilddrüsenwerte, Entzündungsmarker oder das Hormon Cortisol gemessen werden. Jährlich leiden in deutschen Laboren zwischen 21.000 und 38.000 Kaninchen, besonders in Hessen und Bayern (3).
„Technologien für die Entwicklung und Herstellung tierfreier Antikörper stehen seit Jahrzehnten zur Verfügung. Trotzdem verlieren jedes Jahr zehntausende Kaninchen ihr Blut und ihr Leben“, sagt Dr. Johanna Walter, wissenschaftliche Referentin bei ÄgT. „Unternehmen wie Siemens Healthineers wissen von diesen tierversuchsfreien Methoden und stehen in der Pflicht, ihre Verfahren vollständig darauf umzustellen. Diagnostik braucht keine Kaninchen“, ergänzt die Chemikerin.
Zu den seit Jahrzehnten verfügbaren tierfreien Methoden zählen unter anderem Phage-Display-Technologien sowie zellkulturbasierte Verfahren, mit denen Antikörper ohne Tierleid gewonnen werden können (4). Diese Methoden liefern präzisere und reproduzierbare Ergebnisse. Eine Datenbank von Animal-Free Research UK verzeichnet über 78.000 mit solchen Verfahren gewonnene Antikörper und Mimetika (5). Zudem empfiehlt das Europäische Referenzlabor EURL ECVAM bereits seit 2020 ausdrücklich den Verzicht auf Tiere in der Antikörperproduktion (6).
Nach § 7a Abs. 2 Nr. 2 Tierschutzgesetz sind Tierversuche nur zulässig, wenn der verfolgte Zweck nicht durch andere Methoden oder Verfahren erreicht werden kann (7). Bei der Antikörperproduktion stehen diese Methoden seit Jahren bereit. Das Leid der Kaninchen ist damit nicht nur unnötig, sondern vermeidbar.
ÄgT fordert von Siemens Healthineers den vollständigen Ausstieg aus tierischen Antikörpern, die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit mit in der Kritik stehenden zuliefernden Betrieben, Transparenz über die aktuelle Nutzung von Kaninchenblut sowie die Vorlage eines konkreten und verbindlichen Zeitplans zur Umstellung sämtlicher Produkte auf tierfreie Antikörper. Siemens Healthineers trägt Verantwortung für alle Vorgänge innerhalb seiner Lieferkette.
Ausführliche Hintergrundinformationen >>
Quellen – mit Links in der Pressmitteilung auf der ÄgT-Webseite!
(1) Erschütternde Aufdeckung auf Bauernhof, Ärzte gegen Tierversuche, 24.09.2025 >>
(2) Tierquälerei in Kaninchenzuchtanlage, Aninova, 11.07.2022 >>
(3) Verwendung von Versuchstieren im Berichtsjahr 2024, BfR >>
(4) Antikörper: Die Zukunft ist tierleidfrei. Ärzte gegen Tierversuche, 16.06.2022 >>
(5) Animal-Free Research UK: Recombinant Antibodies and Mimetics Database >>
(6) Barroso, J. et al. EURL ECVAM Recommendation on non-animal-derived antibodies; Publications office of the European Union, 2020
(7) Tierschutzgesetz, §7a
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Ärzte gegen Tierversuche e.V.
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„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.
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